Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-03-01 · Heft 3 (1.3.1897) · p. Seite 67

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 3 (1.3.1897)
Date
1897-03-01
Page
Seite 67 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969837-2969841--5033-2974318
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wagen der elektrischen Eisenbahn ersaßt und derart zur Seite geschleudert, daß er an den Folgen der dabei erlittenen Gehirnerschütterung verstorben, ist. — Herr Leopold Fischer ist von Magistrat und Bürgervorstehern (Stadtverordneten) der Stadt Linden mit 12 von 14 Stimmen zum Abgeordneten des Provinziallandtags auf Lebenszeit gewählt worden. Herr Fischer ist der erste Jude, dem in der Provinz Hannover diese Auszeichnung zu teil wird, und die nahezu einstimmige Wahl bezeugt, welche Verehrung ihm seine Mitbürger ohne Unterschied der politischen Parteistellung entgegenbringen. — In Kerlin starb der 18jährige Herr stud. med. Ludwig Müller, der Sohn des unvergessenen Dozenten Dr. Joel Müller. Er wurde am 31. Dezember unter der lebhaftesten Teilnahme der Gemeinde zur letzten Ruhe begleitet. Er war ein begabter, vielverheißender Jüngling und wuchs, durch des Vaters Tod frühzeitig gereift, mit den höheren Zwecken, denn er fühlte sich berufen, der gramgebeugten Mutter Stütze zu werden. Der Herr hat es in seinem unerforschlichen Ratschlüsse anders gefügt. — Wie uns mitgetcilt wird, hat der jüngst in Düsseldorf verstorbene Bankier Herr Fleck, der ein namhaftes Verniögen hinterlassen hat, durch letztwillige Verfügung bedeutende Vermächtnisse für öffentliche Anstalten vermacht. So soll derselbe allein 300 000 Mark zur Errichtung eines israelitischen Krankenhauses ausgeworfen haben. — In Lippstadt wurde der Betsaal der neuen israelitischen Gemeinde eingeweiht. Herr Dr. Mansbach hielt die Festrede, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck machte. — Einer der angesehensten Männer der Berliner Gemeinde, Herr Wolf Hagelbrrg, der Begründer, Besitzer und Leiter einer großen Luxuspapierfabrik, ist am 26. Dezeinber 72 Jahre alt, gestorben. Er nahm den lebhaftesten Anteil au allen Bestrebungen des Judentums. Hagelberg war seit 20 Jahren eines der eifrigsten Mitglieder des Repräsentantenkollegiums und des Vorstandes der Reformgemeinde, und gehörte der Leitung vieler Vereine an. — Am 21. Dez. starb in Fürth im 90. Lebensjahre der seines tiefen Wissens, seines edlen Charakters und seiner seltenen Herzensgüte wegen weit gekannte und geschätzte Königl. Hofrat Dr- Sainuel Kerlin. — Herr Moritz Kohr, der bekannte Philantrop, ist plötzlich am Herzschlag gestorben und in seinem Geburtsorte Bojanowo bestattet worden. — In einem Artikel: der Zug nach rechts der „Allgem. Ztg. d. Judentums" heißt es: Man spricht jetzt sehr viel von einem Zug nach rechts, auch in jüdischen Kreisen. Die Vertreter der religiösen Reaktion innerhalb des modernen Judentums werden freilich nicht damit einverstanden sein; aber die Thatsache bleibt darum doch bestehen, daß die Reaktion auf jüdischem Gebiete aus denselben Motiven hervorgeht und denselben Charakter an sich trägt» wie die allgemeine kirchliche Reaktion. Hier wie dort finden wir einen klaffenden Widerspruch zwischen Lehre und Leben. Man verteidigt die alten Anschauungen, Gesetze und Ceremonieen in der Theorie, während man sie in der Praxis längst über Bord ge» worfen hat. Und dabei handelt es sich nicht etwa um minder wichtige Gesetze

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.