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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-03-01 · Heft 3 (1.3.1897) · p. Seite 68

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 3 (1.3.1897)
Date
1897-03-01
Page
Seite 68 (sequence 20)
Language
German
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— 68 — und Ceremonieen, sonder» vielmehr um Grundprinzipien und Fundamentalgesetze der Religion. Mit welchem Rechte kann man z. B. in einer Gemeinde wie Berlin von einem Zug nach rechts und von einem Sieg konservativer Anschauungen sprechen, wenn dort bei einer Bevölkerung von fast 90000 Seelen kaum 5000 sich befinden, die den Sabbat und die Speisegesetze halten? Das ist die treffendste Charakteristik der Richtung innerhalb des Judentums, die für die Allgemeinheit eine Rückkehr zu den alten Traditionen verlangt, für sich selbst aber jede Freiheit in Anspruch nimmt, die am Sabbat mit der brennenden Cigarre im Mund die Heiligkeit des Ruhetages verteidigt und an der wohlbesetzten, nicht koscheren Tafel für die Aufrechterhaltnng der Speisegesetze mit allem Eifer eintritt, deren Führer und Herolde sehr oft öffentlich die Sabbatgesetze übertreten oder in ihren Häusern prächtige Weihnachtsbänme anzünden und sich öffentlich nachsagen lassen müssen, daß ihre Kinder am christlichen Religionsunterricht teilgenoinmen haben. An dieser inneren Unwahrhaftigkeit, an diesem heillosen Widerspruch zwischen Religion und Praxis krankt unser ganzes religiöses Leben. Ein wahrhaft verhängnisvolles System ist durch diese Neuorthodoxie geschaffen worden, ein System, das innerlich mit der naiven Buchstabengläubigkeit längst gebrochen hat, aus hierarchischen und anderen Interessen aber sich hinter den Schutzwall der Gläubigkeit verbirgt, um den Gegner mit den bequemen Waffen, des Glanbensfanatismus bekämpfen zu können, eine Orthodoxie, die unter dem Vorgeben, die Religion zu schützen, die Alleinherrschaft der Gemeinde an sich reißen will. Allerdings gehen nicht alle Anhänger dieser Partei von solchen verwerflichen Grundsätzen aus. — All unser Sinnen und Trachten müßte darauf gerichtet sein, eine Ausgleichung zwischen Lehre und Leben zu bewirken, jene falsche Orthodoxie aber verewigt den Bruch zwischen Lehre und Leben, indem sie verkündet und beweist, daß inan in der Praxis nach völliger Freiheit leben könne und nur in der Theorie die alten Anschauungen festzuhalten brauche. — Von einem Freunde Berhold Auerbachs ist dem Schwäbischen Schillerverein der litterarische Nachlaß Auerbachs für das Dichterarchiv in Marbach zugewendet worden. Der Nachlaß enthält auch Ungedrncktes und Unvollendetes. — In der Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik von Dr. Richard Falkenberg 1896 I findet sich ein Auftatz: Spinozastudien von I. Freudenthal. — Am 27. und 28. Dezember fand im Gemeindehause der israelitischen Kultusgemeinde in Krünn eine Versammlung der israelitische Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen statt. — Die Ungarische Litterarische Gesellschaft stellt folgende Preisfrage: Darstellung und Würdigung der bestehenden Organisation der Inden in den einzelnen Staaten Europas auf geschichtlicher Grundlage. Die Preisschrift kann in ungarischer, deutscher, französischer, englischer oder italienischer Sprache abgefaßt werden; es wird jedoch ausdrücklich bemerkt, daß bei eventueller Veröffentlichung die Gesellschaft nur die ungarische Sprache gebraucht, dem Verfasser jedoch bleibt es unbenommen, sein Werk in einer ihm beliebigen Sprache zu

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