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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-03-01 · Heft 3 (1.3.1897) · p. Seite 64

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 3 (1.3.1897)
Date
1897-03-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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64 stückchen sie eine merkwürdige Praxis bekundeten, zum vollen Ausdrucke gelangen zu lassen. Indessen verliefen derlei unschuldige Grobheiten in dem Sand, wurden kann» beachtet und ritzten schlimmsten Falls irgend eine empfindsame Stelle nur oberflächlich; im übrigen alterierten sie die Eintracht nicht im mindesten. Eines Tages jedoch sollte der antisemitische Mutwille durch einen öffentlichen'Akt, durch Verhöhnung jüdischer Einrichtungen in die Erscheinung treten. Es war letzter Fasching, der Tag, wo die Belustigung int Volke ihren Höhepunkt erreichte, und Maskenzüge aller Art zur Tagesordnung gehörten. In einer stark besuchten Weinschänke saß eine fidele Gesellschaft, aus den besseren Häusern bestehend, beisammen und beratschlagte mit dem Aufgebote ihres Erfindungsgeistes über die Wahl einer Maskerade, die man heute aufführen und die alle anderen an Pikanterie und Erheiterung übertreffen sollte. Nach erschöpften« Gedankenaustausche machte endlich der sehr spaßig angelegte Tonangeber — er mag Goger Jörgel heißen — den Vorschlag: spielen wir einmal „zw Meß-Mizwa". Er hatte kauin diese Worte ausgesprochen, da wiederhallte der große Trinksaal von dem begeisterten Rufe: „Ja, ja, zu Meß-Mizwa. Herrlich, göttlich, dabei bleibt es!" Der Vorschlag wurde mit rauschendem Beifalle ausgenommen und der Antragsteller, zum Lohne für diesen köstlichen Einfall, mit der Darstellung der sehr dankbaren Hauptrolle betraut. — Für diejenigen Leser, «velchen der Begriff dieser Aufführung dunkel ist, diene folge««de Aufklärung: In der dortigen Jsraelitengemeinde bestand, und besteht vielleicht noch,. die Gepflogenheit, daß seitens der „Chewra-Kadischa" am Tage einer Leichenbestattung der Leichendiener — Librer — in Amtstracht und mit der silbernen Samn«elbüchse in der Hand durch alle von Inden beivohnten Gassen die Runde «nacht und unter dein weithin lautenden Rufe: „Zu Meß-Mizwa" die bevorstehende Beerdigung ankündigt. Und so ein Lebensbild aus dem Totenreich sollte nun zur Belustigung des löblichen Bürgertrlins und nebenbei zum Ärgernis der Juden in Szene gesetzt werden. Gesagt, gethan. Sofort wurden die nötigen Maßregeln getroffen und die einschlägigen Requisiten herbeigeschasst, nachdem das aktionsfähige Personal in Bereitschaft stand. Ein massiv gezimmerter großer Schrägen, «voraus man gewöhnlich den Kehricht nach dein Anger beförderte, war glücklicher Weise zur Stelle. Der zun« Tagesheldei« Benifene und Auserwählte betrat nun die Schaubühne, das heißt, er legte sich auf die Tragbahre, zu Deutsch: „Mistkarren", streckte sich nach ganzer Manneslänge aus, und ward mit einer schwarzen Decke von der Fußsohle bis über den Scheitel überzogen. So lag er da zur allgemeinen Be«vunderung, hingegossen mit aller Grazie einer lebendigen Leiche, zuin Sprechen ähnlich. Die von Kraft strotzenden Leichenträger, sechs Ma«m hoch, traten heran, ihres Aintes zu walten, hoben die Bahre mit dein Scheintoten sanft ans ihre breiten Schultern «>nd der Zug setzte sich in Bewegung, begleitet von einer massenhaften johle««den Menschenmenge. Voran schritt ein langer Kerl in der Amtstracht des jüdischen Leichendieners, mit schwarzem

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