Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1897)
- Date
- 1897-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
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Bestimmtes läßt sich hierüber »licht sagen, da in dem biblischen Berichte stets Gott allein als der Urheber der verschiedenen Vorgänge erscheint, und daher nicht, wie in der Sintflut-Episode des assyrischen Jzdubar-Epos, die Art jener Warnungen aus der weitgehenden Personifizierung der einzelnen Natnrkräfte erschlossen werden kann. Die zerstörenden Wirkungen heftiger Erderschntternngen sind von der Beschaffenheit des Untergrundes der betroffenen Gegenden in hohem Maße abhängig. Das Thal Siddim müssen wir uns als eine sehr fruchtbare, unmittelbar an das Tote Meer angrenzende Niederung vorstellen, die, wie Kap. 13, Vers 10 besagt, wasserreich war, „wie der Garten Gottes, wie das Land Egypten", also als eine aus lockeren Anschwemmungen aufgebaute, von Grundwasser durchtränkte. Region, ähnlich der Deltaniederung des Nil. Die Begleiterscheinungen stärkerer Erdbeben in großen Grundwasserniederungen bestehen in der Regel in einem Auspressen des Grundwassers und in der nachfolgenden Senkung des durchtränkten Bodens. Solche Vorgänge sind im Gebiete unserer Monarchie bei den Erdbeben von Alt- Moldova (1879) und Agram (1880) in kleinen! Maßstabe beobachtet »vorden. Viel bedeutender waren die Wirkungen einzelner Erdbeben am Unterlaufe der großen ostindischen Ströme nnd in der Steppenniederung der Selenga am Baikal- See. Bei einem Erdstöße, der das letztere Gebiet am 12. Januar 1862 traf, sank der gesprengte Alluvialboden, aus dem das Grundwasser herausgepreßt worden war, auf eine Länge von 21 Kilometern und eine Breite von 10 bis 15 Kilom. unter den Spiegel des Baikal-Sees hinab und wurde von demselben bis zu einer Höhe von 4 Metern bedeckt. Eine Erklärung der Überflutung des Thales Siddim mit den oben genannten vier Städten als Folgeerscheinung eines Erdbebens steht daher ebensowohl mit den lokalen Verhältnissen, als mit wiederholt beobachteten, in historischer Zeit eingetretenen Vorgängen im Einklang. Es erinnert dieselbe an die uralte Deutung des Ereignisses durch Eratosthenes, der das letztere, wie Strabo berichtet, dem Hervorbrechen unterirdischer Gewässer zuschrieb. Dieses Hervorbrechen unterirdischer Gewässer — das Aufbrechen der Brunnen der großen Tiefe, wie es der biblische Sintflutbericht nennt — ist nichts anderes, als das Auspressen des Grundwassers aus dem lockeren Alluvialboden. Für die Annahme tektonischer Einbrüche des festen Grundgebirges, Vorgänge ähnlicher Art, wie der in früheren geologischen Epochen erfolgte Einbruch des Toten Meeres selbst, liegt keine Veranlassung vor. Bei der Annahme so gewaltiger Katastrophen wäre die Rettung des, Sodom so nahe gelegenen Ortes Zoar ganz unbegreiflich. Bei einem Erdbeben, dessen zerstörende Folgen wesentlich durch eine Wirkung auf die lockere, wassergetränkte Thalsohle von Siddim beeinflußt waren, konnte es infolge seiner Lage auf dem festen Felsboden am Rande des Gebirges leicht verschont bleiben. Ähnliche Bei-