Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1897)
- Date
- 1897-03-01
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— eo — spiele für die Abhängigkeit der Wirkung seismischer Stöße von dem Untergrund der betroffenen Orte sind fast bei jedem größeren Erdbeben konstatirt worden. Die eigentliche Zerstörung der Städte wurde durch ein Phänomen eingeleitet, auf das Vers 24 anspielt uud das von den Kommentatoren des biblischen Textes in sehr verschiedener Weise gedeutet worden ist. Das in der Schilderung verwendete Wort „gophrith“, das Luther und Dillmaun mit „Schwefel" übersetzen, ist seiner Bedeutung nach noch nicht sichergestellt worden. Nur so viel ist gewiß, daß es nicht „Blitz" heißen kann, da der Ausdruck für diesen Begriff im Psalm 11, 6 neben „gophrith“ vorkommt. Entscheidend für den Charakter des Phänomens erscheint mir die Angabe, daß Gott die brennenden Stoffe „vom Himmel herab" regnen ließ. Diese Angabe schließt die Deutung des Vorganges als eine Explosion von Gasmassen, wie sie in Petrolenmdistrikten gelegentlich vorkommt, aus. Da auch die Übersetzung von „goplirith“ mit „Blitz" unzulässig erscheint, so bleibt nnr noch die Annahme eines vulkanischen Phänomens zur Erklärung übrig. Die Annahme einer mit dem Erdbeben, das die Städte zerstörte, zusammenfalleuden Eruption wird durch das Vorkommen sehr junger vulkanischer Bildungen auf der Ostseite des Toten Meeres gestützt. Im Dschülnn überlagert, wie Noetling gezeigt hat, ein Lavastrom Flußablagernngen mit einer Süßwasserfauna, die ausschließlich solche Arten enthält, die mit den noch heute in Palästina lebenden übereinstimmen. In den Schichten von Lisün, den jungen Ablagerungen des Toten Meeres aus einer Periode höheren Wasserstandes, findet man noch keine Spur eines Lavagerölles. Die Lavaströme und Vulkankegel von Moab am Ostufer des Toten Meeres sind also jünger als diese Schichten, deren spärliche Fauna ebenfalls nur, mit heute noch in Palästina lebenden identische Arten enthält. Dies alles spricht dafür, daß jene Eruptionen noch bis in eine geologisch sehr junge Epoche, möglicherweise bis in die historische Zeit angedauert haben. Anderseits ist die Koinzidenz von Erdbeben uud vulkanischen Ausbrüchen eine bekannte, insbesondere an einzelnen südamerikanischen Vulkanen und am Stromboli näher studierte Erscheinung. Nichts steht daher der Annahme im Wege, daß in dem Krater eines der Vulkane von Moab durch den Erdstoß, der Sodom und Gomorrha niederwarf, die Obstruktion zersprengt wurde und eine vorübergehende Eruption zustande kam, deren Aschenregen sich über die Städte „vom Himmel herab" ergoß. Auch die Erwähnung einer Rauchsäule, die Abraham von Hebron aus im Osten aufsteigen sah „gleich der Rauchsäule aus einem Ofen", weist auf ein vulkanisches Phänomen, auf die bekannte Pinienwolke von Wasserdampf hin» die aus einem von der Obstruktion befreiten vulkanischen Schlot in die Höhe steigt. Kurz zusammengefaßt, stellt sich dieser Erklärung zufolge die Katastrophe von Sodom und Gomorrha in nachstehender Weise dar. Nach einer Reihe seismischer Zuckungen wird das Gebiet des Toten Meeres von einem heftigen Erd-