Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1897)
- Date
- 1897-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 schöne menschliche Unbefangenheit in Glaubenssachen, wie sie in jenein Zeitalter auf christlicher Seite mit der Laterne des Diogenes gesucht werden muß. Das Licht des Denkens, das von ihnen ausging, hat eine ganze Welt 'erleuchtet und unter deren Einfluß stand Spinoza, der Vater des modernen Denkens, der dem Geistesleben eine ganz neue Richtung gab und neue Bahnen erschloß, auf welchen fich das geistige Leben der Neuzeit fortbewegt. Äußerst interessant und lehrreich ist der fünfte Abschnitt, in welchem die Christen als Pfleger der jüdischen Litteratur behandelt werden. Im 14. Jahrhundert studierte der Franziskaner Nicolaus de Lyra eifrig die Schriften Raschis. Schon in frühen Zeiten hat Origines, wegen seines Fleißes der Diamantene genannt, unter Anleitling von jüdischen Lebrern das Hebräische gepflegt und ist uns das in Fragmenten erhaltene Bibelwerk, „Hexapla" genannt, ein Zeugnis feiner Leistlingen. Hieronymus der Heilige hat die Bibel ins Lateinische (Vulgata) übersetzt, und hatte mehr als das in der griechischen Übersetzung (Septuaginta) der Fall ist, sich dem hebräischen Urtext angenähert. Später suchte Pico Graf von Mirandola, Fürst von Concordia platonische und aristotelische Weisheit mit der Kabbalah zu verschmelzen. Cardinal Domenico Grimani und der Augustiner Egidio de Viterbo widmeten sich dem Studium der hebräischen Sprache und Litteratur. In Deutschland war es Johannes Reuchlin (geb. 28. December 1455 zu Pforzheim, gestorben 30. Juni 1522 zu Tübingen) der gegen Pfefferkorn und die Finsterlinge den Kampf aufnahni und mit Begeisterung für die hebräische Sprache eintrat. In Frankreich war es Guilaume Haquinet Petit der Beichtvater Königs Ludwig, der sich als Freund der Hebräischen Sprache zeigte. Auf seine Veranlassung wurde Elia Levita als Professor des Hebräischen nach Paris berufen, welcher die Stelle ausschlug und statt dessen Bischof Augustin Justiniani berufen wurde. I» ähnlichem Geiste wirkte Johann Mercier und Bischof Gilbert Genebrard. In Sevilla hat Arias Montano im 16. Jahrhundert eine Polyglottenbibel herausgegeben und Benjamin von Tudelas Reisen übersetzt. Die Familie Bnxdorf hat durch drei Geschlechter eine reichgesegnete Thätigkeit auf dem Gebiet» der jüdischen Litteratur entfaltet. Hervorragend war auch Eduard Pococke im 17. Jahrhundert, Professor in Oxford und Wilhelm Surenhuys in Amsterdam. Er meint: Wer ein echter und würdiger Jünger Christi sein will, muß vorher Jude werden oder er muß vorher die Sprache und Cultur der Juden genau kennen lernen und vorerst ein Jünger Moses werden, ehe er sich den Aposteln zuwendet. Auch Frauen im 17. Jahrhundert begeisterten sich für. das Hebräische, so die Königin Christine von Schweden, die Tochter Gustav Adolphs, die Sybille des Nordens, wie auch Anna Marie Schurmann, das Wundermädchen ihrer Zeit wegen ihrer Sprachkenntnisse. Die beiden Damen schrieben hebräisch und correspondierten hebräisch mit einer englischen Dame namens Dorothea Moore. Zu erwähne» wären noch Johannes Wülfler, der im „Alenu-Gebet" Spott gegen das Christen-