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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-03-01 · Heft 3 (1.3.1897) · p. Seite 52

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 3 (1.3.1897)
Date
1897-03-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 faffung geschieht, welche im Deuteronomium und Leviticus sich findet. Insofern als Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit unter den demokratischen Prinzipien begriffen sind, welche diesen Namen annehmen, ist die Bibel das demokratischste Buch der Welt. Und welchen mächtigen Einfluß hat nicht die Bibel auf die großen Genies in der Weltlitteratur ausgeübt. Man denke nur an den Dichterfürsten Göthe, welcher in „Wahrheit und Dichtung" bei Gelegenheit der Darstellung der Lebensgeschichte der Patriarchen schreibt: Vielleicht möchte Jemand fragen, warum ich diese allgemein bekannten, so oft wiederholten nnd ausgelegten Geschichten abermals umständlich vortrage. Diesen dürfte zur Antwort dienen, daß ich auf keine andere Weise darzustellen wußte, wie ich bei meinem zerstreuten Leben bei meinem zerstückelten Lernen dennoch meinen Geist, meine Gefühle auf einen Punkt zu einer stillen Wirkung versammelte, weil ich auf keine andere Weise den Frieden zu schildern vermöchte, der mich umgab, wenn es draußen noch so wild und wunderlich herging. Wenn eine stets geschäftige Phantasie mich bald da bald dorthin fiihrte, wenn das Gemisch von Fabel und Geschichte, Mythologie nnd Religion mich zu verwirren drohte, so flüchtete ich gern nach jenen morgenländischen Gegenden, ich versenkte mich in die ersten Bücher Mosis und fand mich dort unter den ausgebreiteten Heidenstämmen, zugleich in der größten Einsamkeit nnd in der größten Gesellschaft. Und die Juden sind es, die sich als Hüter der Bibel, eines Buches, das den mächtigsten Einfluß auf die Culturentwickluug der Menschheit ausgeübt hat, große Verdienste und unsterblichen Ruhm erworben haben, und durch das Christentum und den Islam seine Sendboten an die heidnische Welt eine Cultur gegründet haben, auf die man mit Stolz nnd Bewunderung Hinblicken muß. — Und gar die prophetischen Bücher, die einzig dastehen in der jüdischen Litteratur. Um nun auch vom Talmud zu sprechen, so ist derselbe weder ein oorxno jnrio der Juden noch eine Geschichte der jüdischen Religion, sondern ein Sammelwerk, das den Niederschlag des geistigen und religiösen Lebens der Juden von mehr als sieben Jahrhunderten bildet, er ist ein Stück Geistesgeschichte des jüdischen Volkes, der, was seine Ethik anlangt unerreicht dasteht. Gehen wir auf spätere Zeiten zurück, so können wir stolz Hinweisen auf Juda Halevi, auf Salomon Jbn Gabirol, Maimuni, Levi ben Gerson, Chasdai Crescas und auf Abraham Jbn Esra, den jüdischen Lessing, auf den Dichter Manuello, den Zeitgenossen Dantes über den Theodor Paul schreibt: Richten wir auch nur einen Blick auf die in der Dichtung sich aussprechende Gesinnung, so darf der Jude Immanuel vor dem Christen Dante wahrlich nicht beschämt zurücktreten. Übereinstimmend mit Letzterem verurteilt er diejenigen philosophischen Richtungen» welche die Persönlichkeit Gottes, die Erschaffung der Welt durch Gottes Allmacht und den göttlichen Geist im Menschen leugnen, weiter, tiefer einschneidender als Dante aber trifft er die Heuchelei im Innersten ihres Wesens, außerdem waltet in der Auffassung Immanuels ein Geist der Duldung gegen Andersgläubige, eine

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