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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-03-01 · Heft 3 (1.3.1897) · p. Seite 50

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 3 (1.3.1897)
Date
1897-03-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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5o Gründung des Gemeindebundes in Böhmen, der, obwohl er sorgfältig den vorhandenen Gegensätzen aus dem Wege geht ist eine That, die Beachtung verdient, und lvird derselbe für die äußere Organisation immerhin Gutes schaffen können, wenn auch geistig von ihm wenig zu erwarten ist. Herr Dr. Hofmann nun, ein junger Rabbiner in Böhmen meint in zu gründenden Vereinen für jüdische Geschichte und Litteratur das beste Mittel zu finden um dem um sich greifenden Jndifferentismus zu steuern und neue Begeisterung für das Judentum za wecken. Wir wollen hier seinen Ausführungen folgen und die Eindrücke, die wir aus der Lektüre seiner Schrift empfangen haben den Lesern dieser Blätter mitteilen. In einem ersten Kapitel überschrieben „Israels Selbsterkenntnis" wird darauf hingewiesen, daß das „Erkenne dich selbst" die Voraussetzung alles Gedeihens in Bezug auf das Israel der Gegenwart bilde. Nur wenn in seiner Mitte sein geschichtliches Leben und seine geistigen Schöpfungen bekannt werden, nur wenn das Judentum ihm selbst nicht fremd geworden, könnte man darauf rechnen, daß dasselbe Verständnis und gerechte Würdigung in andern Kreisen finden werde. Es ist darum die dringendste Forderung unserer Zeit, daß Israel sich geschichtliche wissenschaftliche Selbsterkenntnis erwerbe. In einem zweiten Abschnitt, überschrieben „Jüdisches Geistesleben einst und jetzt" wird hervorgehoben, daß schon im neunten Jahrhundert Saadja die Vernunft als Richterin über Bibel und Talmud eingesetzt habe, und daß Jair Chaim Bacharach im 17. Jahrhundert den Grundsatz aussprach „Glaube lehrt nicht die Annahme dessen, was dem Verstand zuwider ist." Im Achtzehn- Gebet heißt es vorerst „Du begnadigst den Erdensohn mit Erkenntnis, flößest dem Menschen Einsicht ein" dann erst folgt das Gebet „Führe uns o Vater! zu deiner Lehre". Das Gebäude unseres Glaubens soll sich darum auf den« festen Grunde des Wissens erheben. Und so waren denn auch unsere alteil Gesetzeslehrer zugleich auch Meister der Wissenschaften. So z. B. war Samuel Astronom, Rab Anatom, Jsmael und Chanina waren Ärzte. Wie groß die Liebe und Verehrung für die Wissenschaft war geht aus dem Spruche der jüdischen Weisen hervor: Gott liebt eine Stätte, welche dem Studium der Thora gewidmet ist, mehr, als alle Synagogen. Die jüdischen Volkslehrer waren von ihrem Berufe so begeistert, daß sie keine Bezahlung nahmen. Simon Duran (1406—1444) Oberrabbiner von Algier war der erste, der ein Gehalt bezog, dies fiel auf, und er entschuldigte sich. Im Judentum gab es stets eine Aristokratie der Gelehrsamkeit, die aus Liebe und Begeisterung dem Studium der Lehre und der Wissenschaften hingegeben ward. Der Schwerpunkt des religiösen Lebens lag im Lehrhaus „Beth ha Midrasch", von dem Herr Prof. Lazarus schreibt: es war fast überall ein selbständiges von der Gemeinde und ihrer Verwaltung unabhängiges Institut, das von einem freien Verein unterhalten wurde. Lange bevor man iu Europa an Errichtung von Volksbibliotheken, vollends an öffentliche Lesesäle gedacht, als auch wissenschaftliche Büchereien nur durch fürstliche Munificenz oder als Anfang zu

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