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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-02-01 · Heft 2 (1.2.1897) · p. Seite 38

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 2 (1.2.1897)
Date
1897-02-01
Page
Seite 38 (sequence 14)
Language
German
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können. Dort rückwärts, hinter uns, gähnen gespensterhaft die Ruinen. Em steingewordener düsterer Traum des Mittelalters versinkt in die Tiefen, zerfällt in Schutt und Staub. Das Patrizierhaus, das „Hotel Tritsch", das Frauenbad und alles Andere, in wenigen Tagen wird es nur mehr gewesen sein. Schon bersten die Mauern unter der Wucht der Schläge. Der aufgewirbelte Schutt steigt in Säulen empor. Und fein und weich, wie ein weißer Mantel, der alles Leid verdeckeir. sollte, kräuseln kühle Schneeflocken durch die feuchte Dezemberluft. Gin Ke-icht von Abraham Geiger. O Menschenherz, sei stark, mein Herz Wie Du's ja stets gewesen, Hast durchgerungen manchen Schmerz Und bist davon genesen. Hast Täuschung, Lug im Glanz geseh'n Und wurdest nicht geblendet; Du hörtest Wahrheit wütig schmäh'n Und hast Dich nicht gewendet. Sie lästerten mein eifrig Mühn Bin dennoch nicht erkaltet; Sie lächelten ob mein Erglüh'n Hab doch die Fahn' entfaltet. „Wenn alter Jud' nicht g a r nichtIud'" So wüteten die Einen, Zum Übertritt mich mancher lud Der Klüglinge, der feinen. Verbrecherisch den Einen dünkt Zu rütteln an dem Alten, Mitleidig mich der Aud'ere winkt Hinweg vom Toten, Kalten. Wo weilen die Genossen traut, Die Wahrheitsmut begeistert? Kaum hör ich noch des Freundes Laut Doch Manchen, der mich meistert. Erstanden ist ein neu Geschlecht Von Lehrern, sehr gescheuten, Die wissen so hübsch mundgerecht Den Glauben anszlldeuten. Sie sind so klug, sie sind so still, So voll von zarter Rücksicht; Sie lassens gehn, wie's eben will Wie sichs naturgewüchsigt — Es gürtet sich der Schlendrian Mit alten, rost'gen Waffen! Er sucht, was bängst schon abgethan Von Neuem aufzuraffen. Es fehlt am heil'gen Wahrheitsdrang Im bunten Stimmgewirre; Doch Du mein Herz, verzag' nicht bang Und werde nimmer irre. Die Wahrheit schreitetdennoch fort, Und Gott bleibt Gott der Geister; Entwürd'ge Du nur nicht Dein Wort. Bleib'Dw'nur Deiner Meister.

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