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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-02-01 · Heft 2 (1.2.1897) · p. Seite 37

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 2 (1.2.1897)
Date
1897-02-01
Page
Seite 37 (sequence 13)
Language
German
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37 ziemlich gut erhaltene, nicht üble Wandmalerei, sowie das ganze Äußere und die Dimensionen des Saales lassen darauf schließen, daß er von einer wohlhabenden Familie bewohnt wurde. Ohne aus dem Hanse auf die Gasse gehen zu müssen, kommen wir in das anstoßende Gebäude. Es ist dies das in ganz Europa bekannte alte „Hotel Tritsch", welches seit mehr als hundert Jahren sich im Besitze einer Familie befand und als Absteigequartier den meisten nach Prag kommenden Juden diente. Eines ganz besonderen Rufes erfreute sich die Küche dieses Hotels, und es waren wieder insbesondere Fische, welche nian hier gar fein znzubereiten wußte. Aus dem ersten Stockwerke des Hauses tvollen wir uns in das nachbarliche Gebäude begeben. Das Haus war von Armen bewohnt. Darauf weisen die schmutzigen Wände hin, von welchen Spinngewebe herabhängen. Lichtgraue Streifen auf dem dunklen Untergrund der Wandflächeu zeigen noch heute, wo da ein Tisch oder ein Stuhl gestanden hat. Man scheint an den Sachen höchst selten gerührt zu haben. Die Oefen sind zerfallen. Die Fußböden sind schon zum Teile aufgerissen und man sieht den unter denselben seit Jahrhunderten lagernden Schutt. Wir gelangen in düstere, feuchte Kammern, die so niedrig sind, daß man sich ordentlich beugen muß, um nicht mit dem Kops an die Decke anzustoßen. Durch kleine vergitterte Fensteröffnungen fällt spärliches Licht schüchtern und wie verstohlen herein. In zweien dieser fürchterlichen Schlupfwinkel sollen noch vor Kurzem nicht weniger als achtzehn Personen gewohnt und geschlafen haben. Die Höfe der alten Häuser sind durchwegs klein und unsäglich schmutzig. Ein scharfer, höchst widriger Hauch entsteigt ihnen, der Hauch der Fäulnis und der Zersetzung. Bei grellem Kerzenschein, welcher sich gespensterhaft an den schmutztriefenden Mauern widerspiegelt, durchschreiten wir die öden Räume. Wir sehen merkwürdige Gewölbe, Verließe und Erker, von eisenbeschlagenen Thüren verschlossen, deren Zweck man sich schwer vorstellen kann. Und unser Begleiter' erzählt gruselige Geschichten von geheimen unterirdischen Gängen, welche von hier bis tief in die Stadt führen und in längslaufgehobene, halb eingestürzte Klöster einmünden. Der Schein phantastischer Romantik flimmert über den verlassenen Stätten.... Tiefe schwarze Keller gähnen zu unseren Füßen. Eine Besichtigung dieser unterirdischen Räume würde sich gewiß lohnen. Doch, offen gestanden, es fehlt uns an Muth dazu. Wir wollen lieber noch zwei Treppen höher steigen. Ein dunkler Dachbodenraum, in welchem nur ein mattes Zwielicht zittert. Dürre Reisig-Äste an den Wänden unb vergilbte Kränze zeugen davon, daß hier das Laubhüttenfest gefeiert wurde. Wo sind die frommen Gläubigen, über deren Häuptern sich die Astgewinde spannten? Alles ist dahin, Freud' und Leid, Alles vorbei. Die Wanderung durch die dunklen, unheimlichen Gebäude hat uns erschöpft, wir freuen uns, wieder frische Luft zu atinen und das Tageslicht begrüßen zu

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