Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1897)
- Date
- 1897-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Kinder eifrig bedacht sind und diese bei Gelegenheit ihrer Einsegnung selbst zur Andachtsstätte führen und gerührten Herzens der feierlichen Handlung anwohnen. Darin soll die wahre Elternliebe sich offenbaren? Darin soll eine größere Zärtlichkeit sich zu erkennen geben, als uns von unseren teuren Eltern zugewandt wurde, als in Israel, dessen Familienleben selbst seine Feinde als unvergleichlich schön preisen, seit Jahrtausenden geübt wurde? O, unser Herz legt Verwahrung dagegen ein, daß die weichherige Charakterlosigkeit, die aus äußeren Gründen das jüdische Kind seinem natürlichen Zusammenhänge mit den Glaubensbrüdern entreißt, der frommen Liebe vorzuziehen sei, die des Kindes irdisches Glück zugleich mit dem Heile seiner Seele, mit der treuen Anhänglichkeit an die väterliche Religion erstrebt. Aas Kn-e des Frager Ghettos. Jaroslav Kamper veröffentlicht im „Wiener Tagblatt" eine Schilderung des jetzigen Zustandes des Prager Ghettos, der wir folgende Stellen entnehmen: Kleine Notizen in den Zeitungen und bescheidene Affichen an den Ecken verkündeten, daß einer der interessantesten Teile der Prager Judenstadt gegen ein kleines Eintrittsgeld zum letztenmale zu sehen sei. Die Nachricht wirkte überraschend. Dichte Menschenmassen strömten den zu demolirenden einunddreißig Häusern in der Meisel-, Joachims- und Würfelgasse zu, »m zum letztenmale die Gebäude zu sehen, welche man früher so wenig beachtet. Der Atem stockte einem, wenn man das Innere des Häuserkomplexes betrat. Die Gebäude waren wohl äußerlich getrennt, doch im Innern durch ein ganzes Labyrinth schmaler, dunkler Gänge verbunden. Und wie sie so immer mit einander verbunden und verknüpft waren, so sollten sie auch alle gemeinsam wie Brüder nntergehen. Es war nicht gerade leicht, sich im Gewirr der Gänge und Ecken, Winkel und Nischen, Thüren, Stiegen. Söller und Gewölbe anszukennen. Aber es war auch gar nicht angenehm. Feuchte Stickluft lastete schwer auf der Brust, das starke Halbdunkel, welches auf den krummen Treppen herrschte, erschwerte das Vordringen, einzelne Gemächer waren so niedrig, daß man nur stark gebeugt darin wandeln konnte und beständig das Gefühl hatte, daß einem die Decke auf den Kopf fallen werde. Da ist vorerst das sogenannte „Patrizierhaus", eines der ältesten von allen diesen Gebäuden. Durch einen dunklen, gewölbten Hausflur, über eine krumnie Holztreppe mit stark ausgewetzten Stufen gelangen wir in das erste Stockwerk des Hauses, dessen Vordertrakt drei-, der rückwärtige Teil dagegen fünfstöckig ist. Wir treten in einen ziemlich großen, gothisch gewölbten Saal, vielleicht das größte Gemach sämmtlicher dieser einunddreißig Häuser. Die noch