Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1897)
- Date
- 1897-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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■' ,ay:Ti>iOT<»JrTrj';,'■-!>->•■ wy» ^u>^>»u^«VIWWWWW«^ — 31 — seinem Gefängnis aus aber schrieb er an seinen König, dessen Gunst er sich, allezeit zu erfreuen gehabt hat, sich seines verwaisten Adoptivsohnes, an dem er Vaterstelle übernommen habe, anzunehmen und ihm seine Gunst zuzuwenden. Der dankbare König willfahrte seinem unglücklichen General, und so sehen wir Abraham Granbom im Jahre 1715, im Alter von 35 Jahren, als Bürgermeister der Stadt Linköping. — Obgleich Granbom sein Amt mit großer Gerechtigkeitsliebe und Unparteilichkeit verwaltete und dafür überall Liebe und Verehrung begegnete, fand er doch in seinem Berufe nicht hinreichende Befriedigung. Und als er sich einmal des als Kind seiner Mutter gegebenen Versprechens erinnerte, beschäftigte er sich fortan auf's eifrigste mit dem Alten Testament und besonders mit den „fünf Büchern Mosis", wie es ihm die sterbende Mutter ans Herz gelegt hatte, und so nahm seine Hinneigung zur jüdischen Religion immer mehr zu, woran ihn auch seine lutherische, biedere Gattin, nicht im mindesten störte, sondern eher noch unterstützte. Aus der Ehe mit derselben gingen fünf Söhne und zwei Töchter hervor, die alle biblische Namen führten: Isaak, Matathias, Daniel u. s. w., Sara und Lea, und gleichfalls lebhaftes Interesse für den israelitischen Glauben in ihrem Innern empfanden. An Stelle des Sonntags ward in Granbom's HauS der Sabbath heilig gehalten und nur Fleisch von in der Bibel erlaubten, sog. „reinen" Tieren gegessen. Nur hin und wieder gingen sie in die Kirche, nicht aus Liebe zur angeerbten Religionsanschauung, sondern aus Furcht vor den Nachstellungen der Gegner. Besonders war es die lutherische Geistlichkeit, die von Granboms Beschäftigung und Ideen Kenntnis erhalten hatte und , ihm viel zu schaffen machte, indem sie die Gläubigen ihrer Kirche gegen die Familie des angeblichen Apostaten aufreizten. Als ihre Bestrebungen aber auf Granbym keinen Eindruck machen, drohten sie ihm mit Denunciation bei der Regierung, da es Gesetz war, daß, wer vom lutherischen Glauben zu einem anderen übertrete, dem Tode verfallen sei, wenn er nicht durch die Gnade des Königs die Erlaubnis erhielte, ausznwandern. Mit diesem Gedanken trug sich auch Granbom; er wollte sobald als möglich Schweden verlassen und in einem religionsfreiheitlichen Lande zum Judentum übertreten. Als er seine Gattin fragte, ob sie damit einverstanden und mit den Kindern dazu bereit wäre, antwortete sie: „Dein Gott sei mein Gott, und wohin Du gehst, will auch ich gehen!" Als nun die Geistlichkeit sah, daß alle ihre Bemühung fruchtlos war, sandte sie zu Granbom einen gelehrten - Kollegen, der sich mit ihm in einen Religionsdisput einlassen sollte. Bor versammeltem Publikum begann dieser: „Glaubst Du uns Sand in die Augen streuen *■ zu können? Wir wissen wohl, daß Du uns abtrünnig werden willst. Aber sage uns, was Dich dazu treibt, unseren Glauben aufzugeben und Dich einem andern zuzuwenden, der doch von allen Völkern verachtet wird und dessen Spuren man in Bälde nicht mehr wahrnehmen wird?" Granbom blieb dem Geistlichen die Antwort nicht schuldig; treffend antworte er: „Warum erscheint Dir die jüdische