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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-02-01 · Heft 2 (1.2.1897) · p. Seite 27

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 2 (1.2.1897)
Date
1897-02-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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'" :• *s^i*.n«. ^M^^^u^^^WHSV^miilPlIULIVi1 W>9>IHI9pa^^PPp — 27 — »In sechs Tagen schuf Gott Himmel und Erde und am siebenten ruhte er." Wenn wir den Tag, den unsere christlichen Mitbürger halten, als unseren Sabbat annehmen, wenn wir in ihn all die Wärme und all die Innigkeit legen, die in den Tiefen unseres Herzens waltet, wenn wir denn auch unsere Kinder in das Haus Gottes nehmen, dann erst können wir mit Aussicht auf Erfolg die große Reform beginnen, deren das Judentum so sehr bedarf, können jenem reinen Gottesglauben uns nähern, der durch Israel die Welt erfüllen soll. Wir müssen, und das ist das erste Prinzip jeder Moral und jeder Religion, mit unseren Ansichten und Bekenntnissen in Einklang leben. Wir können nicht erwarten und können nicht verlangen, daß die kommenden Generationen den Sabbat halten und den Glauben ihrer Vater bewahren, wenn wir selbst mit schlechtem Beispiel vorangehen. Wenn wir in den hohen Feiertagen den Worte» des Predigers lauschen, wenn wir unsere Sündell bekennen und Besserung geloben, wenn dann Monate vergehen, ohne daß wir oder unsere Kinder das Haus Gottes wieder betreten^ so wird Religion zur leeren Form und der hohe Glaube Israels seines Inhalts beraubt. Wir können nicht zurückkehren, wo uns die Wege verschlossen sind, nicht im Einklang mit uns leben, wenn wir geloben, was wir nicht halten können. Noch zieht uns die Pietät, die unauslöschliche Liebe zu den Verstorbenen, eine gewisse religiöse Scheu ani Neujahr und Versöhnungsfeste, an den Tagen der Seelenfeier zu dem Hause unseres Gottes und wir fühlen in jenen Stunde» die ganze Schönheit und Erhabenheit unserer Lehre. Aber wie bald ist selbst die Erinnerung dahin, denn der Glaube unserer Väter durchzieht nicht unser Dasein, die Heiligung des siebenten Tages fehlt. Und ob jener Tag ein Sonnabend oder ein Sonntag ist, fällt tausend mal weniger in die Wagschale als die Thatsache, daß mir jetzt keinen Tag halten. Braucht man denn ein Prophet zu sei», liegt es nicht klar zu Tage, daß» wenn hier nicht bald eine Änderung geschieht, daß, wenn nicht dafür gesorgt wird, haß unser Volk im Einklang mit seinem Bekenntnisse leben kann und lebe, der Glaube selbst mehr und mehr zur bloßen Formel herabsinkt und die Grundlage und das Wesen unserer Religion verletzt wird. Die aufwachsende Generation kennt keinen Ruhetag, oder wenn sie einen hat, ist es der Tag, den ihre Mitbürger feiern. Sicher, es ist schwer von alten, teuer gewordenen Gewohnheiten sich loszusagen, Traditionen, die Jahrtausende geheiligt haben, aufzugeben, aber teuerer und heiliger als alle Überlieferung, muß uns die Überzeugung gelten, daß in der Übereinstimmung unseres Handelns mit unserem Bekenntnisse, in der Erfüllung erkannter Pflichten und nicht im starren Festhalten an Gewohnheiten und Überlieferungen der wahre Geist, das Wesen unseres Glaubens besteht. Denn unsere Religion hat wie jede andere dem Gesetze der göttlichen Vernunft, aus deren Wesen sie stammt, sich zu unterordnen.

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