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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 22

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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böser, toller Jugendstreiche, geschwätzig, übermütig; zügellos hast Du deines Lebens bessere Hälfte durchrast. Morgen trittst Du in das ernste zweite halbe Hundert ein, und damit hoffe ich, wird auch Dein stürmisches, so sehr zum Hochmut geneigtes Wesen in gesetztere, ernstere Bahnen lenken. Ich wünsche Dir Gesundheit, langes Leben, ein gutes — Opernbuch, eine dicke Haut und etivas Liebe für Deinen Dich beglückwünschenden — daß es nicht schon siebzig sind — und herzlich umarmenden Karl." Ferner kamen Glückivünsche von Johannes Brahms, Johann Strauß, Richard v. Perger, Musik- und Gesangverein Proßnitz in Mähren, Victor Leon, Brüder Therii, Ehepaar Ree, Architekt Marmorek, Cellist D. Popper (Budapest) und zahlreichen anderen Musikern und Musikfreunden. — Dem Sänger Herr A. Sistermanns aus Frankfurt a. M. gebührt das Verdienst schreibt Eduard Hanslick, Brahms' neueste Tondichtung „Vier ernste Gesänge für eine Baßstimme" (op. 121) zum krstenmale in Wien öffentlich gesungen zu haben. Ernst, in der That bedrückend ernst sind diese lyrischen Monologe, ivelche unser bibelfester Brahms sich aus der heiligen Schrift ausersehen hat. Leiden und Sterben, das ist der dumpfe Grundton, auf den die ersten drei Gesänge gestimmt sind. Er klingt am stärksten in dem ersten resignirt pessimistischen Stück: „Denn es gehrt dem Menschen wie dem Vieh; wie dieses stirbt, so stirbt auch er, und haben alle einerlei Odem." Von allen vier Gesängen ist dieser erste der ergreifendste, zugleich der ausgesührteste. Zweimal wechselt das düstere Andante mit einem leidenschaftlichen Allegro im Dreivierteltact. Dieses Allegro: „Es fährt Alles an Einen Ort", bringt zu dem verzweifelten Teile des ersten Inhalts nicht etwa einen Gegensatz, sondern eine leidenschaftliche Steigerung. Die wild aufstürmende Triolenfignr, fast immer in Gegenbewegung zur Singstinime, beruhigt sich nur vorübergehend einmal zu dein ersten Zeitmaß. Der Gesang schließt trostlos mit der dem altjüdische» Glauben entsprechenden Verneinung der Fortdauer nach dem Tode. Das zweite Stück (ans demselben Salomonischen Buche „der Prediger") klagt, daß die Gerechten Unrecht leiden unter der Sonne und daß sie keinen Tröster haben. „Da lobte ich die Toten, die schon gestorben ivaren, mehr als die Lebendigen; und der noch nicht ist, ist besser als alle Beide." Der Gesang schreitet in gleichmäßig schweren Athemzügen klagend einher: die Begleitung wird an einigen nachdrücklichen Stellen bewegter, einschneidender. Nach Salomon spricht an dritter Stelle Jesus Sirach, der schon 200 Jahre vor Christus ganz im Geiste so vieler protestantischer Kirchenlieder den Tod als eine Wohlthat preist. Zu dem in Moll stehenden Anfang („O, Tod!") bringt der Mittelsatz in 1^-ckur ein lichteres Gegenbild; dort war der Tod als bitter beklagt von dem Menschen, „der gute Tage und genug hat und ohne Sorge lebet", hier als Erlöser begrüßt „von dem Dürftigen, der in allen Sorgen steckt und nichts Besseres zu hoffen noch zu erwarte» hat". Der vielte und letzte von Brahms' „Ernsten Gesängen" ist der einzige, der nicht vom Tode handelt; er tritt aus dem engen Kreis trostlos pessimistischer Lyrik, ein Stückchen Himinelsblan, das sich aus

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