Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969837-2969839--4981-2974264
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 17 — Egyedst, der Advokat Lazar Samuel, ferner Max Arenyi und Rud. von Biedermann. Sämmtliche jüdische Deputirte gehören der liberalen Partei an außer Visontai, der sich zu den Unabhängigen bekennt. — Der bisherige Privatsekretär des Polizeipräfekten von Paris, W. Schrameck, wurde zum Kabinetsdirektor der Präfektur ernannt. — Es wird unsere Leser, schreibt die „Deborah" nicht minder als uns selbst überrasche», zu erfahren, daß der bekannte Dichter Jules Derne kein Franzose, sondern ein polnischer Jude ist, der in der polnischen Stadt Plotzk geboren wurde und Julian Olschewitz heißt. In seinen Dichtungen ist zwar orientalischer Schwung, aber der Jude ist ebensowenig wie der Pole darin erkenn- J bar. — Auf der Pariser Weltausstellung jim Jahre 1900 wird auch ein Weltreligionskongreß abgehalten werden. — Der gefeierte Philologe Prof. Asroli in Mailand ist zum Ehrenmitglied der Akadeniie der Wissenschaften in Wien ernannt worden. — Der unter dem Namen Vater Ignatius weit bekannte christliche Geistliche der protestantischen Kirche hielt vor einigen Tagen einen Vortrag in London über das Thema: „Was hat die Welt den Juden zu verdanken?" von dem wir nur folgende Sätze hervorheben: Als Christ schäme ich mich ans tiefstem Herzen, daß eine Bewegung, wie der Antiseinitismus, unter den christlichen Nationen hat entstehen können. Die gegenwärtige Behandlung der Juden in vielen Staaten ist ein Schandfleck auf dem Gewände der Civilisation. Dies um so mehr, da das. jüdische Volk die großartigste Erscheinung in der modernen Geschichte ist; kein anderes Volk nimmt eine Stelle ein, welche so einzig ist in ihrer Art, wie die seinige. Als Kind schon war ich stets von diesem Gedanken so erfüllt, daß ich selbst an keinem jüdischen Hausirer vorübergehen konnte ohne den Hut zu ziehen. Die Juden sind und bleiben die Könige im Reiche der Menschenliebe! Wo giebt es eine Litteratur, welche eine so moralische, veredelnde und zugleich befreiende Macht über die Herzen und Gemüter ausübte wie die jüdische? Ihr Schrifttum ihre Geschichte, die bloße Existenz der Juden, beweist das Dasein Gottes. Die Kenntnis von einem Jenseits, jeder Gedanke, der die Menschen zur Reinheit führt, die Ideen der Freiheit, Brüderlichkeit und des Friedens — sie alle sind der nichtjüdischen Welt erst durch das jüdische Volk vermittelt worden. Sie sind es, die die Welt mit Licht erfüllt haben, und wo immer die Kenntnis von dem Gotte Israels verbreitet ist, da muß die Dunkelheit schwinden, und das von Zion ausstrahlende Licht unter die Völker sich verbreiten. — Bedeutsam ist auch die Rede, die der Bürgermeister von Liverpool Gf. Derby beim Luncheon in London aus Anlaß der Grundsteinlegung des David Lewis-Hospitals gehalten. Er sagte unter Anderem: Leid und Trauer verwischen alle Unterschiede der Religion. Der Gehorsam, mit dem wir das Gebot erfüllen, Barmherzigkeit zu üben, entstammt derselben Quelle, aus der die Gemeinde, der unser Vorsitzender angehört, es erhielt. Unsere heilige Schrift ist zum große» Teil die ihrige, unsere Psalmen sind ihre Psalmen, unsere Gebote sind die Gebote, welche ihnen überliefert wurden für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.