Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 die ganze Welt. Doppele Freude ist es zu fühlen, daß das edle Geschenk des Verstorbenen ein Beweis ist, nicht daß religiöse Unterschiede verwischt werden, — meiner Ansicht nach bestehen solche Unterschiede überhaupt nicht —, wie alle Religionen einmütig handeln, wenn es sich um ein wohlthätiges Werk handelt, wenn es gilt Kranke zu heilen. Soweit ich urteilen kann, giebt es keine Religion, die geneigter dazu wäre, als die Religion unseres Vorsitzenden; diese Religion ist gegen ihre Kranken viel barmherziger, als wir gegen die unserigen, sie steht den Schwachen und Kranken bei, bevor diese in Gefahr sind unterzugehen. — Ein Buch aus der Feder des berümten Londoner Predigers Stopford Drooke ist immer ein literarisches Ereignis. Das jüngste Werk dieses Mannes aber hat für uns eine ganz besondere Bedeutung. „Das alte Testament und das moderne Leben" heißt die Sammlung von Predigten, welche im Verlage von Jsbista in London erschienen ist, und der Titel sagt ziemlich deutlich, was der Verfasser mit seinem Werke bezweckt. „Es ist für uns gleichgiltig," sagt er, „wo Abraham geboren wurde, wann er eine Frau nahm, in welcher Ordnung und Reihenfolge und an welchen Orten er seine Opfer darbrachte, darauf kommt es nicht an, das können wir ruhig dem Kritiker überlassen. Aber der Geist, die Seele dieser großen Gestalt, die ist für uns von der größten, von nicht genug zu schätzender Bedeutung. Unsere Zeit hat das Reich des Individuums proklamirt; im alten Testament können wir das Reich der Menschheit, d. i. das wahre Himmelreich, wieder entdecken. Wir habeil die Vorbilder für unser politisches und soziales Leben den Griechen und Römern abgesehen und haben vergessen, daß das Alte Testament in allen Lehren und Einrichtungen nicht nur himmelweit alle Bücher irgend eines Volkes überragt, sondern daß der Geist der Freiheit und Gerechtigkeit, den alle Propheten atmen, einzig und unvergleichlich dasteht in der Welt, so daß der Psalmist mit Recht sagte: In Juda ist Gott bekannt, sein Name ist groß in Israel!" — Aus London berichtet man über den Tod des Herrn Albert Saffoon, dem Chef des großen gleichnamigen englisch-indischen Handelshauses. Er wurde ani 15. Juli 1818 zu Bagdad geboren, wo seine Familie seit langer Zeit zu den ersten gehörte. Schon sein Vater hatte in Bombay ein Handelshaus errichtet und Verbindungen mit Indien, China nub Japan angebahnt. Der Sohn brachte das Geschäft zu großer Blüte. Aber auch seinen Glaubensgenossen zu Bombay und Bagdad war er ein treuer Freund Berater. Große Wvhlthütigkeitsanstalten in beiden Städten tragen seinen Namen. Im Jahre 1890 verlieh ihm die Königin in Würdigung seiner Verdienste um den englisch-indischen Handel die Barvnetswürde. Der älteste Sohn ist mit der Tochter von Baron Gustav Rvtschild in Paris verheiratet. Das Wappen der Familie trägt die hebräische Inschrift: „Emetli we-Emuuali" Wahrheit und Glauben. Getreu diesem Wahlspruch gestaltete sich auch das Leben und Wirken des Heimgegangenen Barons Albert Sassvon. — Der König von Belgien hat den Bankier