Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 und eröffnet« den Constituirungsact mit der Absendung eines Huldigungstelegramms an den Kaiser. Herr Dr. Bendiener erörterte die Ziele des Bundes, dessen nächste Ausgabe eine würdige Begehung des Kaiserjubiläums und die Abwehr von Übergriffen, sowie die Sicherung der Stellung der Beamten der israelitischen Kultusgemeinden sein werden. — Jüngst erstattete der Bürgermeister von Brünn, Herr Dr. Ritter r>. Mieser, den Landtagswählern seinen Rechenschaftsbericht und,' bewarb sich neuerlich um das Mandat. In seiner Rede kam der Bürgermeister auch auf den Antisemitismus zu sprechen, den er auf, das entschiedenste verurteilte. Er sagte diesbezüglich: Angesichts des Wirrsales um uns müssen wir aber festhalten an dem Postulate der Gleichheit aller Staatsbürger ohne Unterschied der Race und der Konfession. Ich möchte die Frage aufwerfen: Halten Sie es am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, in einer Zeit, wo die Wissenschaft die ungeahntesten Fortschritte gemacht, wo die Technik alle Hindernisse der Entfernung beseitigt, und der Verkehr ungeahnte Dimensionen angenommen hat, wo wir die allgeineine Wehrpflicht besitzen und daran gehen, das Wahlrecht zu erweitern, halten Sie es für möglich, frage ich, eine ganze Klasse von Staatsbürgern zu degradiren? Ich-halte es für unmöglich. Und so glaube ich, daß über kurz oder lang, diese Frage auch bei uns in das Nichts zurückfallen werde. Zu bedauern ist nur, daß durch den leidenschaftlichen Kampf teilweise eine Verrohung herbeigeführt wurde. Aber auch unsere Mitbürger israelitischer Konfession dürfen nicht dem Separatismus huldigen, welchen jüngere Elemente derselben proklamiren, einen Separatismus, welchen gerade wir mit allen Mitteln bekämpfen. —Der Verein deutscher Techniker „Sudetia" in Drünn wurde, weil er die Juden für nicht satisfaktionsfühig erklärte, behördlich aufgelöst. — Einer Römischen Depesche zufolge ist vom Vatikan aus den Führern der klerikalen Volkspartei in Ungarn geraten worden, sich der Propagirung eines antisemitischen Programms im neuen Reichstage zu enthalten. Motivirt ist das Gutachten der päpstlichen Kurie damit, daß eine Verquickung der katholischen Ideen mit dem Antisemitismus der Kirche zu entschiedenem Schaden in einem Lande gereichen müßte, in welchem die Regierung fest entschlossen sei, den Antisemitismus nicht aufkommen zu lassen. — Die Verteilung der im Testamente des Barons Hirsch für wohlthätige Zwecke in Mähren bestimmten Million Gulden fand am 9. Dezember, dem Geburtstage des Verstorbenen, statt. Die eine Hälfte war für jüdische humanitäre Anstalten, die andere Hälfte für den gleichen Zweck ohne Unterschied der Konfession bestimmt. — Die Abgevrdnetenwahlen für den ungarischen Reichstag hatten für die Juden ein sehr günstiges Resultat; der neue ungarische Reichstag zählt dreizehn Juden als Mitglieder. Die Advokaten Franz Chorin,.Fr. Heltai, Moritz Mezey, Armin Neumann, Julius Rosenberg und Sam. Visontai, sowie der Journalist Anibr. Nemenyi wurden wiedergewählt. Neue Mitglieder sind: die Industriellen Belthold Weiß, Theodor Wvlfner, Arthur