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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 11

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 Sachen für den Putztisch." — Aber was machen sie in diesem Walde? Darnach fragte ich sie eben, und alles was ich von ihrer altdeutschen Mundart verstehen konnte, ist, daß sie ihre Toten nicht auf dem christlichen Gottesacker beerdigen, und da sie weder Mittel haben noch das Recht, neben jenem einen Friedhof in Versailles zu besitzen, so sind sie genötigt, ihre Toten nach Paris zu tragen, wo sie diese ans dem Gottesacker begraben, den die Juden daselbst in dem Kirchspiele von Montrouge besitzen. — Arme Leute! rief der König mit einer nachdenklichen Miene aus, fünf Stunden weit gehen zu müssen! . . . Jetzt rollte der Wagen wieder schnell vorwärts nach St. Germain, wo der Hof an diesem Tage Jagd hielt, und der Leichenzug ging langsam in der Richtung nach Paris weiter, mehr mit seinem Schmerze beschäftigt, als mit seinem Zusammentreffen mit dem Könige Frankreichs. Gegen Abend kehrte der König nach Versailles zurück und schon war das prächtige Schloß Ludwig XIV. mit seinen majestätischeil Statuen, seinen mythologischen Bassins und seinen marmornen Götterbildern sichtbar, als sich, nachdem das den Weg versperrende Volk dem königlichen Gefolge Platz gemacht hatte, ein prächtiger, reichlich glänzender und von zahlreichen Geistlichen im priesterlichen Ornate begleiteter Leichenzug den Blicken darbot. Die Priester sangen das Totenlied, welches von den Sopranstimmen der Jugend und dem Geläute der Glocken, welche volltönig erklangen, unterstützt wurde. „Dies ist die Beerdigung eines reichen Tuchhändlers aus der Straße Paresse" sagte Besenval zum Könige. Dieser erwiderte nichts, aber er betrat das Schloß mit einer sehr nachdenklichen Miene. Die ganze Nacht störten unruhige Träume den Schlaf des Monarchen und in der Frühe ließ er seinen Minister Malesherbes zu sich rufen, dem er die peinigenden -Betrachtungen mitteilte, die er am vorigen Tage anzustellen Gelegenheit hatte, indem er versicherte, daß es die Vorsehung so gefügt habe» daß er zwei so scharf von einander abstechenden Beerdigungen begegnete; darauf fügte er als ein würdiger Nachkomme Heinrich's IV.-hinzu: „Sind nicht alle Franzosen meine Kinder, und darf die Religion einen großen Teil meiner Unterthanen mit trauriger Rechtslosigkeit verfolgen bis zu dem Augenblicke, wo sie vor Gott erscheinen, welcher de» Königen das Amt gegeben hat, ihn auf Erden zu vertreten." — In dieser Unterredung fragte man zum ersten Male nach den Mitteln, die politische Lage der Juden in Frankreich zu verbessern und der König sagte zu seinem Minister folgende schöne Worte, welche die Geschichte aufbewahren wird: „Mein Herr von Malesherbes, Sie haben sich zum Protestanten gemacht, und ich mache Sie zum Juden!" Malesherbes, der schon die Aufhebung der geheimen Verhaftsbefehle und die Freiheit der Presse beantragt hatte, Malesherbes, der miler allen Umständen im Rate des Königs Ge-

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