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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-01-01 · Heft 1 (1.1.1897) · p. Seite 9

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 1 (1.1.1897)
Date
1897-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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WML Fürwahr! Wenn es irgend ein Band giebt, stark und unauflöslich gemtg, . um Himmel und Erde aneinander zu ketten, so ist es dieses Gebet! Es hält die Lebenden aneinander und bildet die Brücke in das geheimnisvolle Reich des Z Todes. Fast könnte man sagen dieses Gebet sei der Hüter und Wächter des Z Volkes, von dem allein es gebetet wird; in ihm liegt die Bürgschaft seiner eigenen Fortdauer. Kann ein Volk untergehen und in das Nichts zerstäuben — solange i ein Kind seiner Eltern gedenkt? Welche Stürme, welche Fäulnis und Verderbnis ß müßten vorangegangen sein, welche Mächte müßten an dem Baue eines Volkes i genagt und gerüttelt haben, der auf dem Felsengrunde der Familie ruht? Es mag seltsam klingen. Mitten aus dem Taumel der wüstesten Zerstreuung hat dieses Gebet der Erinnerung manches verwilderte Gemüt anfgeschreckt, V| daß es sich besann, und wenigstens für kurze Zeit im Andenken an die toten Eltern.? sich gleichsam heiligte. Solch ein Gemüt überkommt es dann niit Schauern, wenn es die Wege überschaut, die es bisher gegangen, und sie mit denen vergleicht, die es gegangen wäre, wenn das Auge von Vater und Mutter noch über ihm leuchtete! f- Eben weil dieses Gebet eine Wiedergeburt des am Menschen Vergänglichen j, im Geiste ist, weil es ein bloßes Sterben nicht zugiebt, weil es die Blüte, die vom Baume der Menschheit welk abgefallen ist, im Gemüte wieder anferstehen | und sich entfalten läßt, darum ist es von so heilkräftiger und heiligender Gewalt! j Zu wissen: Du stirbst, Du trittst aus dieser ewig ruhelosen, so hinfälligen Hülle i in ein geheimnisvolles Jenseits, aber die Erdscholle, die über Deinem Haupte | rauscht und fällt, deckt Dich nicht ganz; es bleibeir solche zurück, die wissen, daß .< Du gestorben bist, die, wo sie immer auf dem weiten Erdenrunde, ob im Ge- J wände der Armut oder im schimmernden Prunke des Reichtums sich befinden, 1 dieses Gebet dir nachsenden; zu wissen: Du nennst keinen grünen Fleck in diesem > Lande Dein, Du läßt ihnen kein Haus, keinen Hof und Acker zurück, daß sie | Dein gedenken müßten, dennoch bewahren sie Dein Andenken als ihr teuersteK t Erbe . . . unbedeutend, verachtet, eine Schaumblase, die Du im Leben warst, erheben sie Dich, wenn Du längst nicht mehr bist, zur Bedeutendheit ... sie 3. raffen Dich aus dem Staube der Vergänglichkeit auf. — Wer wird nun eines 1 armen Juden eigentümlichen Gedankengang nicht begreifen, und daß er ein Be- Hagen darin finden konnte, seine Knaben würden ihm einst „Kaddisch" nachsagen? * Der jüdische Iriedhof zu WersaMes. J .— - i Es war im Jahre 1788. Der König Ludwig XVI. war an diesem Tage von der besten Laune, indem er von Versailles aus sich auf die Jagd begab. Die - J Ratsversammluug der Minister hatte die Verwirrung in der Verwaltung gelöst; der Finanzminister hatte neue finanzielle Hilfsmittel angezeigt; der Graf von der?

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