Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1897)
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969839--4970-2974253- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 würdige psychologische Einsicht verrät und hie und da auch einen Einblick in das persönliche Leben des Denkers. Er. muß selbst von Eifersucht in der Liebe gelitten haben, um sie mit so starken, nackten Worten beschreiben zu können. Doch frühe drängte das Gedankenleben das des Gefühls in ihm zurück, und er lebte, mit dem Dasein vollkommen ausgesöhnt, getragen von seiner philosophischen Gottesideegemeiner Sorge nimmer erliegend, unbeeinflußt von Bannfluch und Haß, unendlich geduldig einfältigen Schülern gegenüber, die ihn nicht verstanden und, statt danach zu streben, in seine Ideen einzudringen nur bestrebt waren, ihn zu ihrem Mirakelglauben zu bekehren. Wenige Schritte von der Statue entfernt steht jenes Hans, das zweistöckige, schmale, in der Stube oben unter dem Dache hat er gelebt, von hier ist er täglich hinausgewandelt, ain stillen Kanal dieses abgelegenen Stadtteils dahin, von hier auch haben sie ihil mit den Füßen voran, hinausgetragen, um in frommer Unschuld und Unwissenheit ihn nach äs nisuvs lcsrü zu bringen, als ob er ein Gläubiger und ein Christ wäre. Vielleicht wird die Zeit kommen, in der diejenigen, die in Spinoza ihren geistigen Stammvater sehen, den ersten Entdecker oder Ahner jener Grnndanschauungen und Wahrheiten, welche die des modernen Geisteslebens, der modernen Wissenschaft sind, zahlreich sein werden, zahlreich, wie es heute jene, denen sein Geist fremd ist. Dann, dereinst in fernen Jahrhunderten, werden diese Stätten, wo er starb, das Mekka der freien Geister sein. Die Wational-Socialen und die Glaubensfreiheit. In der „Zeit" des Herrn Pfarrers Naumann erscheinen ab und zu theoretische Darlegungen aus dem Kreise seiner Anhänger, die das Programm der National-Sozialen ansbauen helfen sollen. Jüngst gab das Blatt einem Aufsatz von W. Kautz Raum, der beachtenswerte Ideen entwickelt, die auch in der eigenen Partei nach den jüngsten Vorgängen in Erfurt beherzigt zu werden verdienen. Darin heißt es: Was hat das Wort Freiheit für den Menschen für einen köstlichen Klang! Frei zu sein, das ist das Verlangen, welches tief in der menschlichen Brust liegt, und das immer wieder emporkeimt, unter welchem-Wust von Vorurteilen es auch von einer unverständigen Zeitrichtung begraben werden möchte. Und zwar ist die Freiheit, nach der wir alle uns sehnen, eine vielfache, ist zunächst eine mehr äußerliche urld eine mehr geistige. Die äußerliche Freiheit kann eine körperliche, eine wirk-