Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1896)
- Date
- 1896-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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285 gradirt werden. Die angeführten Offiziere hatten nämlich, durch ein an das Regiment gelangtes Beglückwünschungs-Telegramm des Inhabers, des Kaisers Franz Joseph, in fröhliche Stimmung versetzt, dem Weine allzusehr zugesprochen und, als sie dann im angeheiterten Zustande durch die Straßen gingen, eine Gruppe von Juden ohne den geringsten Anlaß beschimpft und geprügelt und die Angegriffenen bis in die Räume eines Privathanses, wohin sich dieselben gefliichtet hatten, verfolgt, um die Mißhandlungen fortzusetzen. — Ans Jassy wird gemeldet: Der hervorragende Diagnostiker Dr. Taussig, Primarius am israelitischen Spital, ist einem Nervenleiden erlegen — Der Czar hat aus eigenenen Mitteln zur Erinnerung an die Geburt seiner Tochter, der Großherzogin Olga, eine Volksschule errichtet, über welche die Czarin das Protectorat übernommen hat. Die „Official Gazette" hat nun die Statuten der Schule veröffentlicht; einige Paragraph« davon sind von ungewöhnlichem Interesse für die Juden. Wir teilen drei Paragraphe der Statuten mit: 3. Paragraph. Es werden Kinder beiderlei Geschlechts ohne Unterschied des Glaubens ausgenommen. 16. Paragraph. Kinder, die nicht dem orthodoxen Glauben angehören, sollen von Vertretern ihrer eigenen Religion unterrichtet werden. 31. Paragraph. Kinder, die nicht dem orthodoxen Glauben angehören, sollen ihre religiösen Pflichten nach Maßgabe der Vorschriften ihrer eigenen Religion erfüllen. — In Keading, Pennsylvanien, starb der Rabbiner Morris Wrrtheimer, ein Mann, der einen recht merkwürdigen Lebenslauf hinter sich hatte. Ehe er Rabbiner wurde, war er gemeiner Soldat in der französischen Armee und machte als solcher den Krimkrieg und einige Feldzüge in Algier mit. Meuter, Musik und bildende Kunst. In Frankfurt a. M. feierten am 19. November Herr Intendant Emil Elaar und seine Gattin Frau Elaar-Delia die silberne Hochzeit. — Fräulein Selma Kur; ans Sielih ist für das Frankfurter Stadttheater engagiert worden. — Karl Goldmarks Oper „Heimchen am Herd" gelangte in Frankfurt a. M. am 1. Oktober zur ersten Aufführung und errang einen großen Erfolg, zumal die Vorstellung sowohl in musikalischer une in scenischer Beziehung eine vorzügliche war. Karl Goldmark steht gegenwärtig in seinem 65. Lebensjahre. Er ist am 18. Mai 1832 in der ungarischen Ortschaft Keszhely geboren, woselbst sein Vater Kantor war. — Herr Kapellmeister Lern in München verheiratete sich mit Frau Fiedler, der Witwe eines Privatgelehrten, der voriges Jahr aus denr Fenster stürzte. — In Haden-Daden starb der Maler Herr Heinrich David Leer, erst 25 Jahre alt. Beer, der ans Bütow in Pommern stammte, war zuerst Kaufmann, wandte sich dann in Berlin, von Thumann ermutigt, der Kunst zu. Paul Thumann war sein erster Lehrer an der Berliner Akademie, auf