Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1896)
- Date
- 1896-12-01
- Page
- Seite 280 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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280 - „So ziemlich," antwortete Dr. Levi. „Ihr Hermann," sagte darauf Richard Wagner, „müßte als mein alter ego eigentlich den Namen Wagner führen!" An seinem 80. Geburtstage ward Dr. Levi die Überraschung zu teil, vou Lenbach, dessen Bekanntschaft er während eines längeren Aufenthaltes in München gemacht hatte, sein wohlgetroffenes Porträt als Geschenk zu erhalten. „Das Bild," zeichnet Levi ans, „ist ganz lenbachisch, weniger ähnlich im gewöhnlichen Sinne, als charakteristisch treu. Die Leute meinen aber, ich sei zu alt gemalt, so dürfte ich an meinem 90. Geburtstag aussehen. Wenn dem so ist, so teile ich das Schicksal des Papstes Leo XIII., der, wie mir Lenbach sagte, geäußert, er habe ihn älter gemalt, als er sei." In der That gewinnt es den Anschein, als ob Meister Lenbach mit seinem Porträt Levis anticipando eine zarte Anspielung auf dessen Centenar-Geburtstagsfeier beabsichtigt habe. Denn wer den Neunzigjährigen erhobenen Hauptes und elastischen Schrittes einherwandeln sieht, zweifelt nicht, daß der Jubilar alle Anwartschaft darauf hat, sein Jahrhundert voll zu machen. Wonatsschau. Am 26. Oktober starb Herr Dr. Kamlierger, Rabbiner in Königsberg im Alter von 63 Jahren, nachdem er daselbst über 30 Jahre eine reichgesegnete Wirksamkeit entfaltete, die weit über die Grenzeil seiner Gemeinde sich erstreckte. — Am 21. October fand in Kerlin unter großer Beteiligung die Beerdigung des erinordeten Justizrathes M. Levy statt. Auch der Justizminister Schönstedt war anwesend. Es sprachen am Sarge die Herren Rabbiner Dr. Maybaum, Geh. Justizrath Lesse und Justizrath Wilke. — Im „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" iii Kerlin hielt der Prediger der Tempelgeineinde zu Hamburg, Herr Dr. Seligmann einen Vortrag über „die Stellung der deutschen Juden iit und zum Vaterlande". — Im „Freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben" in Frankfurt a. M. hielt Herr Rechtsanwalt Dr. jur. S. Marr am 14. October einen Vortrag über „Orthodoxie und Reform." — Der schon mehrfach erwähnte Ritualmord-Prozeß gegen Karl Sedlahek, den Redakteur des antisemitischen „Generalanzeiger" kam am 20. Oktober vor der Strafkammer des Landgerichts Berlin II abermals zur Verhandlung und endete mit der Verurtheilung Sedlatzeks zu drei Monaten Gefängnis. Auf Betreiben des „Central-Bereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" war gegen ihn die Anklage erhoben worden wegen Gotteslästerung und Beschimpfung der jüdischen Religionsgesellschaft. — In Gleiwitz starb am 3. Oktober Herr Sanitätsrath Dr. Freund, Vvrsitzeuder