Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1896)
- Date
- 1896-12-01
- Page
- Seite 279 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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279 Diese sinnige Beziehung ans seines Vaters gesegnete Regierungszeit und auf ihn selbst als dessen Nachfolger gefiel dem Großherzog so wohl, daß er die Widmung bei der Hoftafel von Hand zu Hand gehen ließ und wiederholt seinen Beifall darüber äußerte. Ludwig II. war es auch, der Levi das Versprechen gab, sämtliche jüdische Gemeinden der Provinz Oberhessen dem Rabbinat in Gießen zu unterstellen. 1832 führte Levi die anmutige Henriette Mayer aus Mannheim als Gattin in sein Haus. Diese gemütreiche und geistig hochstehende Frau war bis zu ihrem frühen Hinscheiden (1842) eine der anziehendsten Erscheinungen der Gießener Gesellschaft. Die Besten bewarben sich um ihre Freundschaft. Sie war eine ausgezeichnete Klavierspielerin und ohne Zweifel hat ihr Sohn Hermann, der gewesene Generalmusikdirektor in München, seine musikalische Begabung von ihr empfangen. 1842 raffte eine tückische Krankheit sie hinweg. Der erste Stadtpfarrer, Kirchenrat Dr. Engel, hielt ihr die Grabrede, und der Universitätsprofessor Schäfer widmete ihr in der „Didaskalia" einen warm empfundenen Nachruf. Unter den litterarischen Arbeiten Benedict Levis verdient seine 1832 veröffentlichte Abhandlung „Beweis der Zulässigkeit des deutschen Choralgesanges mit Orgelbegleitung bei dem sabbathlichen Gottesdienste der Juden" genannt zu werden. Der Verfasser vertritt die Ansicht, daß es mit den äußerlichen kirchlichen Formen eine ähnliche Bewandtnis habe wie mit den Formen des Lebens, die sich der Bildungsstufe und den erhöhten Anforderungen des Zeitalters anpassen müssen.. Er liefert als Gesamtresnltat seiner Betrachtungen den Beweis, daß der deutsche Choralgesang mit Orgelbegleitung beim sabbathlichen Gottesdienste nicht nur aus reinen Vernunftgrüuden, sondern positiv nach den Zeugnissen des Talmud und seiner angesehensten Interpreten zulässig sei. Durch Levis Schrift, die im 3. Band des Archivs der Kirchenwissenschaft publiziert wurde, weht der Geist echter Frömmigkeit, Duldung und Menschenliebe. In segensreicher Amtsthätigkeit schwanden Benedict die Jahrzehnte dahin. Bei seinen Landesfürsten, deren er fünf den Thron besteigen sah, stand er stets in Gunst. 1878 feierte er sein 50jähriges Doktvrjubiläum, 1879 sein 50jähriges Auitsjnbiläum. Der Universität, deren philosophische Fakultät ihm das Doktordiplom ehrenvoll erneuerte, machte der Jubilar seine gesammteu wertvollen talmudischen, rabbinischen und hebräischen Schriften, eine stattliche Bibliothek, zum Geschenk. Während der Winter des Lebens Flocke um Flocke auf das Haupt des würdigen Mannes streute, erlebte sein Herz die Freude, seinen Sohn Hermann, den geniale» Dirigenten, Sprosse um Sprosse an der Ruhmesleiter emporklimmen zu sehen. 1882 wohnte er der Aufführung des „Parsifal" unter seines Sohnes Leitung in Bayreuth bei. Richard Wagner, der ihn auf's herzlichste begrüßte und bewirtete, fragte ihn scherzend: „Wie sind Sie mit Ihrem ungeratenen Sohn zufrieden?"