Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-12-01 · Heft 12 (1.12.1896) · p. Seite 278

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 12 (1.12.1896)
Date
1896-12-01
Page
Seite 278 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2969669-2969823-2969836--4944-2974226
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

278 — 1808 erhielt er das Großrabbinat zu Mainz, das er bis zu seinem Tode 1813 verwaltete. Kurz vor seinem Hingang hatte ihn der Kaiser Napoleon in längerer Audienz empfangen. Der junge Benedict genoß in Mainz den ersten Schulunterricht. Dort sah er 1812 Napoleon auf seinem Zuge nach Rußland über die große Bleiche ziehen. Sein Lehrer Eisik Schwalje hob ihn in die Hohe und rief: „Sprich den Segen!" So schreibt die jüdische Lehre beim Anblick eines gekrönten Hauptes vor. 1816 bis 1819 besuchte Benedict die israelitische Realschule des bekannten Dr. Creizenach. Nachdem er fünf Jahre lang bei den Rabbinern Weißmann und Kaste! in Mainz den Talmud studierte, bezog er 1824 die Universität Würzburg, wo der bedeutende Talmudgelehrte Abraham Bing zahlreiche junge jüdische Theologen um sich versammelt hatte. Benedicts Jahreswechsel lautete auf 200 Gulden. Daß er bei dieser geringen Summe oft in harte Bedrängnis geriet, war natürlich. Immerhin wußte er sich mit Humor in seine Lage zu schicken; vorübergehend half ihm die Großmut eines vermögenden Anverwandten aus der Geldnot. Bei den Professoren Metz und Wagner hörte er Philosophie und Geschichte; Hebräisch, Syrisch und Chaldäisch bei Schwarz, Ästhetik und Pädagogik bei Fröhlich. Dem Aufstrebenden blieben innere Kämpfe nicht erspart, aber über die Periode des Zweifels hinweg rang er sich zu ruhiger Klarheit durch. Er fand die Formel, die Prinzipien des Judentums mit denen der Philosophie zu vereinigen und das Ceremonienwesen nicht als Religion selbst, sondern als Mittel zur sittlichen Veredlung des Menschen zu betrachten. Auf das empfängliche Gemüt des Jünglings machte die herrliche Umgebung Würzburgs tiefen Eindruck. 1826 unternahm er eine Fußreise in die Schweiz. 1827 begab er sich nach Gießen, um dort seine Studien abzuschließen und den philosophischen Doktorgrad zu erwerben. Nachdem er 1828 erfolgreich öffentlich doktoriert hatte, wurde er rite promoviert. Der Zufall fügte, daß der derzeitige Rabbiner Dr. Wolfs in Gießen einen Ruf nach Kopenhagen erhielt und annahm. Levi bewarb sich um die vakante Stelle und hatte die Genugthuung, freilich nach Überwindung mancherlei Schwierigkeiten, im 23. Jahre zum Rabbiner von Gießen ernannt zu werden. Am 15. November 1829 trat er sein Amt an. Nach 40jähriger glücklicher Regierung war Ludwig I. von Hessen gestorben.' Sein Sohn Ludwig II. bereiste bei seinem Regierungsantritt die Provinz Oberhessen. In Gießen einpfing er den Rabbiner Levi und die Gemeindevorsteher Bock und Hirschhorn in Audienz. Levi überreichte dem Großherzog ein Huldigungsgedicht, an dessen Spitze das Motto stand: „Und David, der Sohn Jsai, herrschte über ganz Israel. Und die Zeit, da er über Israel gebot, war 40 Jahre. Und er starb in hohem Greisenalter, satt an Jahren, Neichtuin und Ehre. Und es regierte Salomo, sein Sohn, an seiner Stelle." (1. Buch der Chronik Cap. 29, B. 26.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.