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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-12-01 · Heft 12 (1.12.1896) · p. Seite 276

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 12 (1.12.1896)
Date
1896-12-01
Page
Seite 276 (sequence 12)
Language
German
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276 Und die zahlreiche» Ausdrücke für Zauberei und verwandte Künste zeigen, wie ausgebreitet diese in Kanaan gewesen sein müssen. Hierbei fällt besonders in's Auge, daß ihre Formen ganz dieselben gewesen sind, wie wir sie noch heute allerorten antreffen. „Chabar" z. B. heißt eine zauberische Schlinge knüpfen, wodurch man Personen oder Sachen bindet und bannt. „Nachasch" oder „Lachasch," wovon das Wort nachasch „Schlange" abzuleiten ist, und ähnliche Bezeichnungen des Beschwörens deuten daraus hin, daß man in Kanaan besonders in den Schlangen die Geister der Verstorbenen vermutete. Der Mensch denkt sich ja die Seele in dasjenige lebende Wesen iibergesiedelt, welches sich zuerst oder besonders oft in der Nähe des Leichnams zeigt. So zirpen die Schatten der Gestorbenen bei Homer wie bei den Bewohnern der Philippinen wie Fledermäuse, weil man diese oft in den Grabeshöhlen findet. Die Babylonier sehen die Fliegen, die Philister besonders die Mäuse, die Ägypter die Eule, andere die Schmetterlinge als die Wesen an, in tvelche die Seele der Abgeschiedenen wandert. Daher die antike Vorstellung der Seele als eines geflügelten Wesens, daher auch der philistäische Baal zebub der Belzebub, der Fliegengott, „der Herr der Mäuse und der Fliegen". Alle jene Tiere wurden von dem Zauberer beschworen d. h. man ließ mit Hilfe der Bauchredekunst, wie uns dies noch heute bei Naturvölkern begegnet, den Geist des Verstorbenen aus ihnen reden; für das alte Testament erwähne ich nur den Besuch Sauls bei der Hexe von Endor. Mit der Zauberei und der Wahrsagekunst hängt auch das Austreiben der bösen Geister eng zusammen. Der Geschichtsschreiber Josephus führt das Beschreien der Krankheiten bis auf Salomos Zeit zurück. Doch ist dieser Brauch weit älter; so wie sich andererseits Spuren davon bis in die neueste Zeit erhalten haben, und zwar nicht allein im Volksglauben, sondern es verbietet z. B. der 72. Kanon der englischen Kirche heute noch jedem Gläubigen das Austreiben von Teufeln ohne besondere Erlaubnis hierzu. Einen solchen Jagdschein brauchte man zwar in Kanaan nicht zu lösen, aber diese Kunst war doch, so scheint es, ein Privilegium gewisser Faniilien. Ein anderes Mittel, mit der Gottheit nach Belieben in Verkehr zu treten, war das Götterbild. Denn das Bild und sein Ge- , genstand wurden als völlig identisch gedacht, was jenem widerfuhr, wirkte auch auf diesen ein. So verhängt noch heute der Russe, wie der Neger seinen Fetisch bezw. das Bildnis des Heiligen, wenn er etwas thun tvill, was diesem nicht gefallen dürfte. Bei den Beerdigungen der französischen und englischen Könige wurden ihren Bildern Speisen gereicht, daher auch das Hängen in effigie, wovon die Nürnberger die rühmliche Ausnahme machen. In Kanaan kannte man deshalb sogar ein Femininum des Wortes Zelenl „Bild", ebenso wie die Neger Fetische zweierlei Geschlechtes verehren. Die Entstehung der Bilderverehrung aus dem Ahnenkult läßt sich noch deutlich verfolgen. In Iukatan uild Mexiko lverden ans den bloßen Schädel des Leichnams die Züge

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