Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-12-01 · Heft 12 (1.12.1896) · p. Seite 273

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 12 (1.12.1896)
Date
1896-12-01
Page
Seite 273 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2969669-2969823-2969836--4939-2974221
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

273 Stämmen göttliche Verehrung. In schlangenähnlichen Fossilien sieht man in Island heute noch Schlangen, die der heilige Patrik gebannt hat. Wir erinnern uns der zahlreichen Mythen .von Verwandlungen eines Menschen in einen Stein oder in ein Gewächs. Ferner verehren einige Völker die Berge oder Bäume, auf denen sie ihre Toten bestatteten. Hierbei denken wir wieder an die Sagen von der Abstammung der Menschheit von Steinen oder Bäumen, wobei die verstorbenen Ahnen inir ihren Behausungen identificiert werden. Also auch der Ahnenkult hat offenbar an diesen Erscheinungen einen bedeutenden Anteil. Es fragt sich nunmehr: Was läßt sich von diesem Fetischismus in Kanaan Nachweisen? Da finden wir zunächst einen Eben-ha-zochelet einen „Schlangenstein" nnd ähnliche inerkwürdige Steine zu Ofia, Soca und Bet schemesch, ferner die Verehrung von Betylen d. h. von Steinen, welche man mit Öl, mit Blut, oder, wie die Indianer, als Ersatz dafür mit Ocker bestreicht, um so dem in ihnen hausenden Geiste Nahrung, Leben zuznführen, und ihn damit für sich zu gewinnen, also gewissermaßen seinen Schutzgeist a» die Krippe zu binden. Ein solcher Betyl findet sich in der Mythologie der Phönikier sogar personifiziert. Ferner haben hier gewisse Bäume eine religiöse Bedeutung, so Eichen, Tamarisken, Palmen, Pinien u. a. Es >var üblich unter Bäumen die Toten zu begraben. Bäume findet man auch auf alten Steinsärgen abgebildet. Unter Bäumen wurde Recht gesprochen. Ja, die Bezeichnung für „Baum" und für „Gottheit" elon, el, ela, scheint ursprünglich dieselbe gewesen zu sein. Auch später noch, als der Steinfetisch zum Altar wurde, begleiteten ihn bei dieser Wandlung der heilige Baum Aschera. Ähnlich ist auch die Verehrung von Bergen zu erklären. Man dachte sich die Götter auf den höchsten Bergesgipfeln wohnend. So hatte in Kanaan der Libanon, so hatte der Hermon seinen Baal, seinen Herrn, seine Gottheit. Oft ging der Name der Gottheit auf den ihr geweihten Berg über, so der des Peär nnd des Nebü Dagegen ist von Wassergottheiten im eigentlichen Sinne bei den Semiten nichts zu entdecken, selbst bei den seefahrenden Phönikiern nicht. Dies erklärt sich daraus, daß die Phönikier, wie ihre Nachbarn, die anderen Kananüer und die Aramäer erst aus dem Binnenlande, aus der mesopotamische» Tiefebene an die Meeresküste vorgedrungen sind. Höchstens wurde der munter aus der Erde sprudelnde Labeqnell als Bote der Gottheit angesehen. Quellen gelten, wie ein römischer Schriftsteller sagt, für die Augen der Gottheit. So hatten die Araber ihren Stix. Auf Sizilien, das doch zum großen Teil semitisch war, kannte man eine Quelle, wo Pluto mit Proserpina in den Hades gefahren. In Kanaan selbst gab es eine Büalat beör eine „Brunnengöttin", einen Ort: En hatanmn „Drachenquelle", und En gedi „Bocksquelle" u. a. m. Wir fanden also in engster Verbindung mit der Naturverehrung in Kanaan den Ahnenkult. Der Glaube an eine Fortdauer nach dem Tode gehört mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.