Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1896)
- Date
- 1896-12-01
- Page
- Seite 272 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Kanaan heimisch. Der Sonnengott war eine Zeitlang die höchste Gottheit der Babylonier. Eine ähnliche Stellung nimnit er in Nordsyrien ein, in Palmyra bei den Arabern, bei den Phönikiern und bei den Karthagern. Wir finden denn auch in Kanaan zahlreiche Eigennamen, die hierauf Hinweisen oder sich auf die Wirkung und den verschiedenen Stand der Sonne beziehen. Wir kennen hier Orte, welche En schemesch „Sonnenauge", Bet schemesch „Sonnenhaus", Ir schemesch „Sonnenstadt" u. a. heißen. Das zweitgrößte Gestirn, der Mond, war in Babylon anfangs die zweite, dann die oberste Gottheit, als „Gott" schlechthin. In den Städten Charan in Syrien und Ur in Chaldäa, die uns aus der biblischen Urgeschichte bekannt sind, standen altberühmte Heiligtümer des Mondgottes. Allch bei den Arabern ist der Mondkult sicher bezeugt. Die Wüste Sin, der gleichnamige Ort, das spätere Pelusium, der Berg Sinai und andere Namen weisen darauf hin. Der Mondkult scheint sogar dem Sonnenkulte vorausgegangen zu sein, wie nach semitischer Vorstellung die Nacht dem Tage. Der Beduine zählt ja noch heut nach Nächten anstatt nach Tagen. Und gerade Kanaan weist einen besonders stark wuchernden Mondaberglauben auf. Besonders der Neumond spielte im Volksglauben Kanaans vor allem bei den Phönikiern eine wichtige Rolle. Am Neumondstage fanden mit Vorliebe festliche Zusammenkünfte der Familienmitglieder und religiöse Versammlungen statt. Auch Reisen wurden gern an diesen Tagen angetreten. Außer Sonne und Mond kommt hier noch der Saturn für uns in Betracht. Er wurde in Babylon und Syrien zu den höchsten Gottheiten in Beziehung gesetzt und findet sich oft in Verbindung mit dem Molochdienste. Die jüdische Astrologie machte ihn als den Schabtai, als den Stern, der am Sabbat regiert, zum besonderen Glücksstern Israels. Jbn Ezra, der geistreiche jüdische Denker und Dichter, schreibt ihm die Gestalt eines Esels zu. Vielleicht hängt damit die gehässige Lüge des Geschichtsschreibers Tacitus znsammen, daß die Juden Eselsanbeter seien. Mit dem Gestirndienst hat man nun auch die Verehrung gewisser Naturgegenstände, etwa die Verehrung von Bergen, Steinen, Bäumen und Quellen unter einer und derselben Kategorie zusammengefaßt. Dies hat aber nur teilweise Berechtigung. Wie in den Gestirnen sucht wohl der Mensch den freiwillig gewählten Wohnsitz der Geister auch in dem geheimnisvoll rauschenden Baum, der Schalten spendet und Früchte trägt, in dem lebendigen Quell, auf dem Berggipfel, auf dem zuerst und zuletzt der Glanz der Gestirne sowie die .düstere Gewitterwolke sich zeigt, in den Felseil, die zu leben verraten, wenn sie abends infolge der plötzlichen Abkühlung mit lautem Knallen bersten, in den Hagelkernen us. w. Allein manche Erscheinung drängt uns doch entschieden zu einer anderen Erklärung hin. Gewisse tierähnliche Steinbildungen genießen nämlich bei einigen