Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-12-01 · Heft 12 (1.12.1896) · p. Seite 271

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 12 (1.12.1896)
Date
1896-12-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2969669-2969823-2969836--4937-2974219
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

271 lichen an unheimlichen, düsteren Orten auflauern. Der Mensch galt in Schwermut, in Extase, in Wahnsinn und ähnlichen Zuständen als von einem solchen Dämon besessen. Und wie die Krankheiten, personificierte man vor allem auch den Tod. Ähnlich wie der Grieche „Ker, Thanatos und Hades", wie der Römer „Lethum, Mors und Pluto," so scheint man in Kanaan einen „Mawet oder Mut, einen Düma und einen Söul" unterschieden zu haben. „Mut" war bei den Phönikiern und Karthagern geradezu eine Gottheit, sie findet sich in etlichen kananäischen Namen, besonders in Lokalnamen. Düma „das Stillschweigen", ist nach dem Talmud der Name des Todesengels, tvir finden ihn ebenfalls in einigen Ortsnamen. Und gerade in einem solchen Orte Düma wurden vor einiger Zeit zahlreiche Steinsärge ausgegraben. Der dritte Name „Söul", ursprünglich „Höhle", später „Hölle", weist auf die auch sonst bezeugte Thatsache hin, daß die Kananäer anfangs in Hohlen wohnten. Man versammelte sich zu seinen Vätern eben da, wo diese selbst gehaust, und wo man sie sich als Geister gegenwärtig dachte, in einer Höhle, ebenso wie z. B. Bergvölker so zu sagen ihre Unterwelt auf die Gipfel der Berge verlegen. — Andererseits fehlt es solchen finsteren Dämonen gegenüber auch nicht an freundlichen Genien. Wir finden in den Eigennamen Bestandteile wie: Noam „Anmut", Tob, Ascher, Gad „Glück", Chajil, Albon „Stärke" u. a. m. Wo waren nun diese freundlichen oder feindlichen Mächte zu suchen? Am ehesten natürlich da, wo sie sich am empfindlichsten und häufigsten äußerten, nämlich in den Erscheinungen der Natur. Man braucht zur Erklärung des Natnrkultes nicht immer erst auf die Ahnenverehrung zurückzugreifen, denn die Einwirkungen der Naturgewalten rufen doch in jedem Wesen eine Reaktion, eine Gegenwirkung hervor. So hat man mit Recht eingewendet, daß der Hund, der den Mond anbellt, damit wohl kaum seinen Ahnen in ihm begrüßen wolle. Und gerade im Orient, in Kanaan, mit seinem wechselvollen Klima mußte sich der Mensch besonders von den Naturgewalten abhängig fühlen, hier besonders fürchtete er das verheerende Gewitter, die sengende Sonne, das furchtbare Erdbeben, ebenso wie er den erfrischenden Regen, den belebenden und befruchtenden Tau herbeisehnte. Wie noch heute bei uns Namen wie Hagel, Donner, Blitz, Sturm, Clermont-Tonnerre u. s. w. üblich sind, so finden sich denn auch im alten Kanaan Eigennamen, wie Tal „Tau", Jore, Matar „Regen" Barad „Hagel", Barak „Blitz" und solche, die ähnlich lauteten oder wenigstens solche Bestandteile aufweisen. Natürlich kam der Mensch sehr bald darauf, daß die Vorgänge auf der Erde, der Wechsel der Jahreszeiten, das Schicksal der Ernte, das Gedeihen der Herde u. s. w. mit den Vorgängen oben am Himmel in ursächlichem Zusammenhang stehen. So schließt denn der Naturkult naturgemäß auch die Verehrung der wichtigsten Gestirne mit ein. Vor allem war der Sonnendienst, wie sonst bei den Semiten, so auch in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.