Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-12-01 · Heft 12 (1.12.1896) · p. Seite 270

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 12 (1.12.1896)
Date
1896-12-01
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969823-2969836--4936-2974218
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

270 Der Geist des Judentums war es, den Antiochns zu unterdrücken gesucht, der sie zum Siege geführt hatte, er sollte nun wieder gehoben werden in Israel und ein Schöpfer der Eintracht werden, ein Stifter des Friedens. Weder die strenge Werkheiligkeit noch die niedrige Selbstverachtung sollten in Israel Geltung haben, sondern der Geist des Judentums, er sollte wieder zum Siege gelangen. Das Judentum sollte sich nicht abschließen, irm seiner Lehre und ihrer großen erhabenen Bestimmung zu entsprechen, es sollte vielmehr erstrahlen in dem Lichtgewande seiner Größe und erkämpfen helfen den Sieg nach außen und den Friedeil nach innen, denn nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist spricht Gott der Herr. Hleber kananaeischen Volksglauben. Vortrag, gehalten in dem Verein für jüdische Geschichte und Litteratur in Hamburg von Dr. M. G r u n >v a l d. (Schluß.) Und auch auf diese Rückfälle in das Heidentum werfen die Eigennamen ein neues Licht. Denn hierbei kommt wiederum die uralte Sitte in Betracht, das Neugeborene durch seinen Namen gegen feindliche Mächte zu feien, zu schützen, daher auch das sprichwörtliche nomen et omen. Der Name ist nicht nur ein Vorzeichen für seinen Träger. Es herrschte nämlich die Anschauung, daß man durch das Aussprechen eines Namens den Träger desselben, also in unserem Falle, einen bösen Dämon seiner Macht berauben könne. Daher der weitverbreitete Brauch, bei einer Krankheit seinen Namen entsprechend zu ändern, daher vor allem die merkwürdige Erscheinung, daß wir in den kananäischen Eigennamen oft die gefürchtetsten Dämonen erwähnt finden. So fällt uns sogleich eine Anzahl von Namen auf, welche von Gebrechen, von Krankheiten, von bitteren und dornigen Pflanzen, von häßlichem Getier u. s. w. hergenommen sind. Eitelkeit ist es doch gewiß nicht gewesen, was die Eltern zur Wahl solcher Kindernamen veranlaßte. Dagegen spricht für unsere Erklärung dieser Namensgebung: einmal der bei den meisten Semiten wiederkehrende Brauch, dem Kinde einfach, ohne jeden grammatikalischen Zusatz, den Namen irgend einer Gottheit beizulegen, offenbar doch in der Absicht, es in deren Schutz zu stellen. Auch um anderweitige Belege für einen Glauben an Dämonen in Kanaan sind wir durchaus nicht verlegen. Zur Zeit des persischen Einflußes zog bekanntlich ein ganzes Heer von Morgen- Mittag- und Nachtdämonen in Kanaan ein, an ihrer Spitze Aschmedai, und als weibliches Oberhaupt Aerat. Auch schon in früherer Zeit finden wir hier Se'irim, Schedim, einen Azazel und eine Silit, böse Geister, die den Sterb-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.