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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-12-01 · Heft 12 (1.12.1896) · p. Seite 269

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 12 (1.12.1896)
Date
1896-12-01
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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269 wußten sie am besten Bescheid, da wollten sie, die niedrigen Nachüffer, die Lehrmeister der Griechen sein. Daß die Lehre des Judentums zu Ansehen und Anerkennung gelange, das war ihre Sorge nicht, darin ließen sie von den Fremden, von den Heiden sich beschämen. Die Könige von Alexandrien, die weisheitliebenden Ptolemäer ließen jüdische Schristgelehrte aus Jerusalem kommen, um das Buch der Bücher sich übersetzen und erklären zu lassen, um sich bekannt zu machen mit Israels Lehre, mit den Schriften jüdischer Denker, mit den Liedern jüdischer Dichter, die Juden selbst hatten kein Verständnis für diese erhabenen Geistesschätze, die sie ererbt, für die herrliche Lehre, die sie dem Scheine nach bekannten. Diesen Verächtern des Judentums, die Israel in seinen eigenen Kreisen hatte, standen nun die Assidaer oder Chassidim gegenüber, die Strengfrommen, die Überfrommen, für die die Religion nur soweit einen Wert hatte, als sie einen Gegensatz zum Leben bildete, als sie das Leben mit allerlei Entbehrungen beschwerte und belastete. Die brachten der Form den Geist zum Opfer, die gaben den Gedanken preis, um nur die Satzung zu retten. Für die war es nicht genug, daß man an der edlen Geistesfrucht, die auf dem Felde der jüdischen Lehre erwachsen war, sich erquicke, nein man mußte auch die leere Hülse mitnehmen, den abgedroschenen Halin, die welken Blätter und die dürren Wurzeln. Als ob sie dem Judentume jede weitere Ausbreitung mißgönnten, so suchten sie es ungenießbar zu machen, es zu verhängen mit allerlei veralteten Hüllen, daß ja nur sein innerer Geist nicht sichtlich hervortrete und die äußere Satzung in den Schatten stelle. Die Makkabäer, die da kühn sich erhoben, mutig zu den Waffen griffen, um den gewaltsamen Glaubenszwang von sich abzuwälzen und die Freiheit des jüdischen Geistes zu erkämpfen, o, das waren keine rechten Juden, sie nahmen ja auch am Sabbat die Schwerter in die Hand, um den feindlichen Angriffen die Spitze zu bieten. Der rechte Jude, der soll sich lieber von dem höhnenden Wiedersacher niedermachen lassen, als daß er die Sünde vor Gott beginge und den heiligen Sabbat, dessen Feier ja in Gottes Lehre vorgeschrieben ist, auf solche Weise entweihe. Es ist klar, daß bei dem Wiederstreite der Richtungen, die in so schroffem Gegensätze zu einander standen, das wahre Judentum keinen Boden finden konnte. Die Siege, die nach außenhin erkämpft worden, hätten den Erfolg, den man sich von ihnen versprechen durfte, bei weitem nicht gehabt, wenn nicht der innere Zwiespalt beseitigt, wenn nicht die Einheit Israels wieder hergestellt worden wäre. Wiederum waren es die Makkabäer, die da klärend, versöhnend, vermittelnd eingetreten sind. Wie dem Propheten Zacharia das Judentum als eine goldene Leuchte erschien, die zwischen zwei Ölzweigen sich erhob, welche zur Linken und zilr Rechten stehen, so suchten die Makkabäer es zu gestalten. Leuchtend, von dem Geiste der Wahrheit und der Erkenntnis soll es den Ölzweig des Friedens reichen denen, die in starre Einseitigkeit verfallen, und den rechten Standpunkt verloren haben.

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