Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1896)
- Date
- 1896-12-01
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969823-2969836--4933-2974215- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die kleinen niedrigen Lichtlein die selbst in der schmälsten Ecke noch immer ihren Platz finden, die wollen die weite Finsternis besiegen, die alle Räume überflutet, und über unbegrenzte Fernen sich hinausergießet. Ist es möglich, daß das schwarze Heer der Finsternis, das da in Ruhe sich herniedergelagert, in wilder Flucht davon eilt, so nur des Lichtes Strahlenblick es berührt? Und dennoch! Es kommt — uud gewichen sind alle Schatten, es tritt hervor — und feierliche Helle schwebt da einher, wo früher die Nacht hatte alles eingehüllt in Dunkel und Finsternis. Siehst du, Jsraelite, an dem Weihefeste, das du begehest, das Licht, das sich kühn der finsteren Macht entgegenstellt und siegreich den Kampf mit dem Schatten der Dunkelheit besteht, die weithin über die Erde sich hinlagern. Es zeigt dir die Macht des Geistes, der durch sich selbst siegt, durch sein bloßes Erscheinen und Dasein, durch das Leben, das er entfaltet und durch das Licht, das von ihm ausgeht. Da mag die finstere Gewalt noch so weit sich hindehnen, noch so riesig sich ansbreiten, noch so sehr mit Waffen und Bollwerken sich umgeben, sie muß weichen und zurücktreten vor dem unaufhaltsamen Siege des Geistes, der da einherschreitet im Lichtglanze edlen Streben«, im Waffenschmucke des Rechtes und der Wahrheit. Was hat den Makkabäern, die für die Freiheit unseres Glaubens, für die Rettung unserer Lehre in den Kampf traten, dazu den Mut und die Zuversicht verliehen, daß sie nicht zurückschracken vor dem Feinde, der ihnen weit überlegen war mit seiner Streitmacht und seiner Waffengewalt. Waren es etwa die großen Heere, die ihnen folgten, die erfahrenen Krieger und die geübten Helden, die sie in's Feld stellen konnten, oder waren es die mächtigen Bundesgenossen, die hinter ihnen standen und bereit waren für sie einzutreten in der Stunde der Not itub sie zu erretten zur Zeit der Gefahr? Nichts war von dem Allen da, daß sie sich darauf hätten stützen können, aber es war da die heilige Begeisterung für die erhabene Sache, um welcher willen sie in den Kampf gegangen, es war das unerschütterliche Vertrauen, es war da das Bewußtsein, daß sie hinausziehen, um zu erretten das erhabenste Geistesgut Israels, die Lehre der ewigen Wahrheit, was diese Heldenschaaren mit einer so unwiderstehlichen Tapferkeit ansrustete. Die großen Heere waren es nicht, die damals Israel den Weg zum Siege gebahnt, und die mächtigen Bundesgenossen waren es auch nicht, aber es war der Geist Israels, der da bis in sein Innerstes empört, gekämpft hat und gesiegt hat und da sich hat offenbart in seiner göttlichen Hoheit und seiner unverwelklichen Kraft. Und niit seinem Geiste hat Israel wie damals auch stets gesiegt über die zahllosen Anfechtungen, denen es in seinem Bestände ausgesetzt war. Israel hat, von seiner äußeren Macht gänzlich verlasse», ein Leben des Geistes geführt und dainit eine Macht entfaltet, welche über die Vernichtung stets erhaben blieb. Bei aller Erniedrigung innere Hoheit, das war die Weihe, die es mit seiner