Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1896)
- Date
- 1896-12-01
- Page
- Seite 266 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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266 gesetzliche Bestimmungen aus dem Leben weggeschafft worden. Was sollten auch den aus ihrer Heimat vertriebenen, in Elend dahinirrenden Söhnen Judas die Erinnerungen an die früheren Siegesthaten, an die Städte, die sie erobert, au die Festungen, die sie eingenommmen, an die Feindesheere, die sie in die Flucht getrieben? Waren ja mit einem Schlage alle die glänzenden Erfolge, die man da feierte, vernichtet worden und den Herzen, die einst an der Betrachtung derselben sich begeistert, nichts geblieben, als die Klage um die zertrümmerte Macht, als die Träume um die entschwundene Herrlichkeit. So lange Israel in Frieden und Sicherheit. solchen Segens genießen konnte, da waren die Herzen auch für solche Erinnerungen empfänglich, empfänglich für freudige Gefühle und Stimmungen, die sich an sie knüpften, das in's Elend hinansgestoßene, von Wehmut niedergebeugte Israel, konnte auch dieses sich je die Trauer versagen, und unterdrücken den Jammer, der in vollen Strömen durch sein Herz dahinfloß? Und dennoch und obwohl wir von diesen alten Gedenktagen, die einst in Israel begangen wurden, längst nichts mehr wissen, ist Chanucka, das Fest„ das auch in die Reihe derselben zum Andenken au die Einweihung des von den Makkabäern wiederhergesteüten Heiligtums eingesetzt wurde uns geblieben, uns geblieben eine Zeit der Wonne und der Herzensfreude, die zum Preise des Herrn, zum Danke vor dem ewigen Hüter Israels uns anregt und auffordert. Was hat diesen Chanuckatagen eine so ausnahmsweise Bevorzugung, eine solch' vertiefte Bedeutung gegeben, einen solch' unverlöschlichem Glanz verliehen, daß sie stets bei ihrer Wiederkehr mit Lichteshelle uns ilmstrahlen und welches ist die Lehre, welche sie zu jeder Zeit von Neuem uns künden utib zu Herzen führen? Die Antwort auf diese Fragen finden wir in dem Prophetenworte, in dem erhabenen Ausspruche, der durch Zacharia uns verkündet wird „Nicht durch Kraft und nicht durch Macht, sondern durch meinen Geist, spricht der Herr der Heerschaaren." Die Macht des Geistes ist es, an die das Chanucka-Fest uns erinnern und der Friede, der durch Geistessiege gestiftet wird, den es uns zur Erkenntnis und Betrachtung vorführen will. Schon von der Zeit seiner Einsetzung war das makkabäische Lichtfest, das mitten in der Trübnis des Winters seine erhellenden Strahlen verbreitet, von einer höheren Weihe umgeben, mit besonderen Sinnbildern ausgeschmückt. Laut ertönten die Lobgesänge Israels in dem Hause des Herrn, Dankgebete, in denen die Wunderthaten des Ewigen gepriesen wurden, erzählten von den großen Ereignissen, die in den Tagen Matatias des Hasmonüers sich zugetragen, und wenn der Abend herniederkam und seine düsteren Schatten hinbreitete über die weite Erde, da schauten Tausende von flammenden Lichtlein in die schwarze Nacht hinaus und verkündeten es, daß da wo sie strahlen, das Dunkel nicht herrschen, und da wo sie leuchten, die Finsternis nicht eindringen kann.