Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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263 erlernten können, so ist die Erkenntnis Gottes von vornherein ansgeschlossen. Dies ist ein Widersprach gegen die vorhitt dargelegte Lehre, nnd er ist nicht gelöst, weil er nach der Natur des Problems unlösbar ist. Die Erkenntnis des Menschen ist eben begrenzt. Die wahre Naturerkenntnis beruht auf induetiver Forschung und ist notwendig Bruchstück. Spinoza irrte daher, wenn er glaubte das wahre System gefunden und alle Rätsel der Natur gelöst zu haben. So wäre also die Unrichtigkeit des Spinozischeu Systems nachgewiesen, und so großartig es erbaut ist, müßte es dennoch als überwunden bezeichnet werden, wenn nicht in ihm ein unvergänglicher Kern erhalten wäre; das ist die Lehre von den klaren Vorstellungen und vom freien Menschen. Aus Erfahrung wissen wir, daß unser Gemüt zwei Verfaßungeu haben kann. Entweder ist es klar, vön der Kraft unseres Wesens durchdrungen, tvir leiten alle Zustände verstandesmäßig von bekannten Daten ab und sind produktiv und zuversichtlich, oder unser Gemüt ist betrübt durch einen Eindruck, der lähmend auf unsere Entschließungen einwirkt. Die erste' Verfassung giebt uns klare Vorstellungen und die Kunst in dieser Verfassung zu leben ist erreichbar. „Der Gedanke an die ewige und itotwendige Ordnung der Dinge läßt alle Personen, Gegenstände und Ereignisse des täglichen Lebens, welche den gewöhnlichen Menschensinn tief aufregen und beunruhigen, im wahren Lichte betrachten, ihre Vergänglichkeit und geringe Bedeutung erkennen, und jene Liebe, welche die Empfindung unserer Einheit mit dem Universum erzeugt, ist beständiger und stärker als die, welche sich auf die vergänglichen Einzeldinge bezieht. Alle diejenigen, welche durch stete Anwendung der forschenden Vetmunft zur Erkenntnis des erkennbaren Teiles der Weltordnung gelangen und sich ihrer Einheit "mit dem Universum bewußt sind, sind frei, und ihre Tugend besteht darin, das sie alles das thun, was ihre Natur für sich betrachtet fordert, das Entgegenstehende dürfen sie ans dem Wege räumen. Die Erhaltung eines solchen vorzüglichen Wesens ist zugleich die Entwicklung der höchsten Productivität. So ist schließlich doch die Erkenntnis der nächste und erstrebendste Zweck des Philosophierens, und die beharrliche Freude, der von selbst folgende Zustand, der endlich zur vollkommensteit Entwicklung führt. Es war nur möglich im Rahmen einer kurzen Besprechung den wesentlichen Inhalt des mit großem Fleiß und Sachkenntnis geschriebenen Werkes anzugeben. Die Darstellung ist durchweg klar und das kleine Werk jedem Spinozafreunde zu empfehlen. M. L. Die Milleniumsfeier der ungarischen Nation hat drei literarische Blüten hervorgebracht: 1 Cyelus von acht Reden, betitelt „Das Jahrtausend" („Az Ezredev“), welche der Szegediner Oberrabbiner, Herr Dr. Jmanuel Löw in diesem Jahre gehalten hat. Die ungarischen Reden sind reich an exegetischen Gedattken