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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-11-01 · Heft 11 (1.11.1896) · p. Seite 260

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 11 (1.11.1896)
Date
1896-11-01
Page
Seite 260 (sequence 20)
Language
German
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hatte der Stadtgemeinde Berlin znr Unterstützung Hilfsbedürftiger jeden Geschlechtes und Alters ein Kapital von 20000 Mark überwiesen. — Herr Salomon Levy schreibt uns: In einem Artikel im „Pariser Figaro" über einen von den Armeniern in Paris veranstalteten Gottesdienst wegen der Metzeleien in Konstantinopel finden wir folgenden Passus: „Den Gesängen ihrer alten Liturgie fügten sie neue Klagelieder bei, damit das Andenken, der durch den Islam ermordeten Christen nicht verloren gehe. Der Armenier sieht in seinen Tempeln etwas mehr als ein blos religiöses Heiligtum. Er betet nicht blos seinen Gott an, sondern er stärkt sich auch dort in seinem Glauben an sein Vaterland, welche beide ihm untrennbar erscheinen." Wem fällt da nicht die Entwickelung unseres jüdischen Gottesdienstes ein? Der enthält auch nicht blos Gebete und lyrische Dichtungen, sondern auch Selichoth und Kinoth — Schmerzensschreie über die Jahrhunderte lange Verfolgung und — gerade deshalb — Sehnsucht nach dem alten Vaterland. Gerade jetzt haben auch wir wieder einen Kampf auszufechten, wenn auch hoffentlich nur auf geistigem, sittlichen und wirtschaftlichen Gebiet. Aber dieser Kampf darf uns nicht unvorbereitet finden. Wir haben uns zu stärken für diesen Kampf, nicht durch geistlose Frömmelei noch durch das Versuinpfen im Materialismus. Was dies heißt mag sich jeder aus beiden Lagern selbst sagen. Hleferate und Mitteilungen. Im Verlage von Friedrich Uieweg und Sohn in Zraunschmeig ist erschienen: Die Arithmetik des Elia Misrachi. Ein Beitrag zur Geschichte der Mathematik von Gustav Wertheim, Professor an der Realschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. Zweite verbesserte Auflage, Pr. 3 Mark. Diese Arbeit, ursprünglich als Programmschrift der Realschule der israelitischen Gemeinde zn Frankfurt a. M. 1893 erschienen, ist selten geworden, was selbst schon für ihren Wert spricht und machte eine Neuauflage nötig, die den gelehrten Herrn Verfasser veranlaßte, Verbesserungen und Vervollständigungen anzubringen. Es ist das Verdienst des Herrn Prof. Wertheim smcht nur das Interesse fachmännischer Kreise für Elia Misrachis „Sefer Hamispar" (Buch der Zahl), das er einer eingehenden Analyse unterzogen, von neuem angeregt zu haben, sondern das aller gebildeten jüdischen wie nichtjüdischen Kreise überhaupt, da zur Lektiire der Werkes eine besondere mathematische Vorbildung nicht erforderlich ist. Es ist in unserer Zeit von ganz besonderer Wichtigkeit gerade wieder auf Misrachis mathematische Leistungen hinznweisen, wie ja auch Sebastian Münster in judeufeindlichen Tagen, in denen man sich sogar zur Verbrennung jüdischer Werke verstieg, Auszüge ans Misrachis „Sefer Hamispar" veröffentlichte, um darzuthun, welche Bedeutung und Stellung die Juden gerade durch ihre wissenschaftliche Thätigkeit haben. Die

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