Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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256 und so ist es gekommen, daß thatsächlich drei Viertel der Juden mit langen Gewändern und Bärten, welche sich Orthodoxe nennen, fest glauben, daß, wenn sie in Übereinstimmung mit dem bürgerlichen Gesetze blieben, sie keine Sünde hätten, um derentwillen sie sich fürchten müßten." Äußerliche Befolgung des Religionsgesetzes und innere Glaubenslosigkeit gingen überaus häufig Hand in Hand schreibt hierzu der Verfasser des Artikels. — Die Universität in Bonn beging am 3. August die Gedächtnisfeier an ihren Stifter König Friedrich Wilhelm HI- Das wissenschaftliche Programm, mit welchem zu der Feier eingeladen' worden war. hatte der Dekan der evangelisch-theologischen Fakultät, Prof. Kamphausen, abgefaßt. Nachdem im Jahre 1895 Dr. Kaulen, der Professor der katholischen Theologie, sein lateinisches Programm dem Nachweis gewidinet hatte, daß die Tochter des Jephtah nicht geschlachtet und verbrannt worden sei, ließ jetzt Professor Kamphausen in der Einladungsschrift eine ausführlichere Untersuchung über das Verhältiris des Menschenopfers zur israelitischen Religion folgen. Diese Abhandlung, deren Sonderdruck im Verlage von Röhrscheid und Ebbecke zu Bonn erschienen ist, bedient sich zu Gunsten des weiteren Leserkreises, der sich für den in geschichtlicher und religiöser Hinsicht gleich wichtigen Gegenstand interessiert, unserer deutschen Muttersprache. Dr. Kamphausen sucht nicht nur zu zeigen, daß die richtige Auslegung der .biblischen Erzählung an dem in Nicht. 11 berichteten Menschenopfer mit Thomas von Aquino und Marti» Luther festhalten muß; er wendet sich auch andererseits gegen die von seinem jüngeren Fakultätsgenossen Professor Meinhold im Bonner evangelisch-theologischen Ferienkursus des Jahres 1894 vertretene Ansicht, die das Menschenopfer innerhalb der Religion des Volkes Israel reichlich vertreten findet. Des Verfassers Wunsch war, für den gebildeten, aber mit dem alttestamentlichen Grundtext unbekannten Leser die Gewinnung einer selbständige» Überzeugung von der Unvereinbarkeit des Menschenopfers mit der durch Moses gestifteten israelitischen Religion möglich zu machen. — Es sind uns zugegangen: Statuten der Michael und Henriette Simons- Stiftung in Düsseldorf, woraus zu ersehen, daß die Erben, der Stadt Düsseldorf 50000 Mark überwiesen haben, deren Zinsen an bedürftige und würdige Personen ohne Unterschied der Religion, die eine Krankheit überstanden haben, verliehen werden sollen. Die Verwaltung besteht aus Mitgliedern, die zur Hälfte der christlichen und zur Hälfte der jüdischen Religion angehören. — Herr Salomon Levy aus Frankfurt a. M. schreibt uns: In Ihrer Monatsschau erwähnen Sie eine Betrachtung des Herrn Dr. Ziegler über einen Aufsatz der jüdischen Chronik: „Der zurückgelegte Weg," in welcher sich Herr Dr. Ziegler darüber wundert, daß das so religiös veranlagte Judentum in 18 Jahrhunderten keinen Reformator gefunden habe zur Gründung einer Weltreligion! Wenn das ein Christ liest, wird es ihn sonderbar anmuten, denn dieser wird sofort an Christum, als den damaligen Reformator, und an das Christentum als die heutige Weltreligion