Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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254 bindung mit dem Fatalismus) den Werth des diesseitigen Lebens in verhängnißvoller Weise hintangesetzl hatten, und dadurch immer mehr dem Verfall entgegen gingen (wovon wir uns in unseren Tagen vollends überzeugen können). Wir glauben bewiesen zu haben, daß bis zur Zeit der Aufklärung die Juden nicht aus religiöser.Überzeugung zumChristentume übertreten konnten; den weiteren Verlauf werden wir in folgendem Abschnitte erörtern. Aus dem westfälischen Oemeinde-Werband. Am Sonntag, den 4. October fand in dem „Römischen Kaiser" zu Dortmund die diesjährige Generalversammlung des Düsseldorfer Vereins zur Verbreitung und Förderung des Handwerks unter den Inden statt, von welcher wir an dieser Stelle Notiz nehmen, weil in ihr eine Angelegenheit zur Sprache kam, welche die Interessen des westfälischen Gemeindeverbandes in hohem Maße berührt. Am Schlüsse der offiziellen Tagesordnung wurde nämlich das anwesende Mitglied des Vorstandes, Herr Rabbiner Dr. David aus Düsseldorf wegen seines Verhaltens in der am Pfingstmontag dieses Jahres gegen den Verband der Synagogeu- Gemeinde Westfalens in Dortmund abgehaltenen Versammlung interpelliert. Der Interpellation lag der Bericht eines bekannten süddeutschen orthodoxen Blattes zu Grunde, welchen man bis dahin umsomehr als maßgebend betrachten mußte, als er unwidersprochen geblieben und in ganz Westfalen als Flugblatt verbreitet worden war. Begründet wurde die Interpellation mit dem Hinweis darauf, daß durch die angeblichen Äußerungen des Herrn Dr. David, in welchen die westfälische Judenheit als eine ständige Gefahr für die Nachbarprovinz bezeichnet worden war, sehr viele Mitglieder der westfälischen Verbandsgemeinden, die zugleich Mitglieder des Düsseldorfer Vereins sind, verletzt worden seien. Es müsse als die Interessen des Vereins schädigend betrachtet werden, wenn ein Vorstandsmitglied desselben bei zahlreichen Mitgliedern innerhalb einer ganzen Provinz durch solche Angriffe Mißstimmung und Erregung Hervorrufe. — Die Antwort des Herrn Dr. David auf diese Darlegungen war indessen eilte derartige, daß durch dieselbe völlige Klarheit geschaffen wurde. Er desavouierte nämlich den Bericht des genannten Blattes vollständig und betonte ausdrücklich, daß er die ihm darin zugeschriebenen Äußerungen nicht gemacht habe; gerade er habe vielmehr zur Toleranz gegen Andersdenkende ermahnt. Die gegenteilige Behauptung sei eine Unwahrheit. Auch erklärte Herr Dr. David ausdrücklich, daß er den Ton, der teilweise in jener Dortmunder Pfingstmvntagversammluug geherrscht habe, durchaus mißbillige. Der Interpellant