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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-11-01 · Heft 11 (1.11.1896) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 11 (1.11.1896)
Date
1896-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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250 sagen, daß die früheren Griechen und Römer sicher nicht als Stiefkinder, sondern eher als Lieblingskiuder Gottes betrachtet werden mußten, da er ihnen zur Zeit die erste und beste Stellung unter den Völkern verschafft und erhalten und trotzdem dann später ihre religiösen Anschauungen zerstören ließ- Hierbei ist noch besonders hervorzuheben, daß in den Augen aller Gottesgläubigen die Römer nach der Zerstörung Jerusalems ganz besonders von Gott unterstützt erschienen, da er ihnen während des folgenden Jahrhunderts eine Reihe von vorzüglichen, weisen, tugendhaften und tüchtigen Regenten einsetzte, gleichsam, als wenn er die Fortdauer des römischen Reiches — und damit auch ihrer Religion — hätte ermöglichen und unterstützen wollen. Er verfügte den Untergang des römischen Reiches erst, als die Entartung des römischen Volkes als unheilbar erscheinen mußte. Mir erscheint dieser Umstand so fesselnd, daß ich hier das darauf bezügliche geschichtliche Urteil mit den Worten Rottecks anführe, die auch für unsere Verhältnisse außerordentlich treffend erscheinen: „ . . . . trug es sich durch eine außerordentliche — in der Geschichte aller „Länder und aller Zeiten isolirte — Fügung zu, daß sie fast hundert Jahre „lang in unabgebrochener Reihe lauter vortreffliche Monarchen erhielten, bei deren „Weisheit und Güte die unbeschränkte Gewalt ein Glück schien, da sie ihrer „Tugend freien Wirkungskreis verlieh, und ihnen, gleich den Göttern, zu dem „Willen auch die Macht erteilte, dem ganzen Geschlechte wohltätig zu sein. „Gleichwohl, was haben sie mit ihrem unermüdlichen Eifer, mit ihrer währschaft väterlichen Liebe, mit den liberalsten Regierungs maxiinen bewirkt? Ord- „nung, Ruhe, Wohlhabenheit, Flor des Ackerbaues und der Gewerbe, ungestörter „Verkehr über alle ihre weiten Länder, und Verschönerung derselben durch „stolze Monumente einer geschmackvollen meist auch nützlichen Pracht in Tempeln, „Palästen, Heerstraßen, Brücken, Wasserleitungen, Bädern und anderen Gegen- „ständen bürgerlicher Verfeinerung. Aber bei alledem, und obschvn, die Grenz- „provinzen abgerechnet, ein tiefer Friede die vielen meist feindseligen, nun aber „brüderlich und fast zu einem Staate verbundenen Völker beglückte, war — selbst „unter einem Trajan und Mark Aurel — die Abnahme des Genies, der physischen Und moralischen Kraft, sonach der Menschenwürde — welche wohl „mehr wert ist, als Wohlhabenheit und Friede — in der ganzen römischen „Welt zu bemerken. Und es kann uns dieses nicht befremden. Selbstgefühl „ist die Bedingung der Charaktergröße; wie könnte aber solches aufkommen da, „wo man nichts mehr sich selbst, sondern alles der Gnade eines Herrn — wenn „auch des besten — verdankt? Wie wäre es möglich, das Prekäre eines Zustandes „zu vergessen, worin alles von der Laune — oder auch dem Charakter — „eines Sterblichen abhängt? Die übergroße Verehrung dieser Einzigen kann auch „nicht anders als nachteilig auf die Würdigung des Verdienstes wirken, „Tugend, Genie und Kraft genießen keiner selbständigen Achtung mehr, sondern

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