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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-11-01 · Heft 11 (1.11.1896) · p. Seite 248

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 11 (1.11.1896)
Date
1896-11-01
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 die neue Religion über, welche dieselben Gesetze und Lehren teilweise gänzlich umging. Ja, man ging sogar soweit, trotz alledem das alte Testament und das Wort des Herrn über das neue Testament zu stellen: „Die Dignität der in ihm enthaltenen Schriften war sehr groß und sehr gering, „wie man es nehmen will. Sehr groß: denn heilig war, was immer den „Namen Christi verkündete, zumal, wenn es von Aposteln, Propheten und „Lehrern stammt; sehr gering, denn an das alte Testament, den heiligen „Codex von höchstem Altertum und an das Wort des Herrn reichte sie „doch nicht heran und jede neueste Kundgebung des Geistes konnte die vorher- „gehende deuten und in den Schatten stellen." (Das neue Testament um das Jahr 200 von D. A. Harnack.) Der gläubige Jude muß annehmen, daß die Heiden noch nicht reif waren für die Aufnahme des reinen Gottesglaubens, und daher Gott durch Paulus das alle D. stammt unter ihnen verbreiten ließ, damit auch sie, wie die Juden vorher, im Laufe der Zeit nach und nach hieraus diesen reinen Gottesglauben schöpfen können; der gläubige Jude muß das Christentum als Interregnum betrachten, so lange als die im neuen Testamente enthaltenen heidnischen Zugaben bestehen bleiben. Die Meinungsverschiedenheiten der Judenchristen und Heidenchristen wurden bekanntlich dann später durch ein Compromiß geordnet. Dessen Ergebniß konnten aber die gläubigen Juden ebensowenig wie die früheren christlichen Anschauungen annehmen, wobei ganz besonders hervorzuheben ist, daß die Juden in dem neuen Testament, welches allmählich zu Stande gekommen war, eine Verletzung ihres Glaubens an die Ewigkeit und Erhabenheit der Gottheit finden mußten da es darin heißt: „Nachdem vor Zeiten Gott manchmal und mancherlei Weise geredet hat zu den „Vätern durch die Propheten, hat er am letzten in diesen Tagen zu uns ge- „redet durch den Sohn, welchen er gesetzt hat zum Erben über alles, durch „welchen er auch die Welt gemacht hat. Welcher, sintemal er ist der Glanz „seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens und trägt alle Dinge mit „seinem kräftigen Wort, und hat gemacht die Reinigung unserer Sünden durch „sich selbst, hat er sich gesetzt zu der Rechten der Majestät in der „Höhe.^ (Ebr. 1. 1. 3.) Dies konnten die gläubigen Juden nicht acceptiren, und wie ernst sie es mit ihrem Glauben nahmen, beweist die heldenmüthige Vertheidigung und der heroische Untergang ihrer Vorfahren zur Zeit der Zerstörung Jerusalems. Nach vielen großen und kleinen Demüthigungen war für das jüdische Volk die absolute Demüthigung eingetreten, die Zerstörung des heiligen Tempels, der heiligen Stadt, die Auflösung des jüdischen Staates und die Zerstreuung des

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