Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1896)
- Date
- 1896-11-01
- Page
- Seite 247 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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247 Jedenfalls aber werden wir gerade durch solche Namen mit den religiösen Vorstellungen Kanaans vor und neben den Hebräern bekannt. Und daun vergessen wir doch das eine nicht: Auch bei den Hebräern machen sich neben dem reinen Monotheismus immer wieder fremde, heidnische Einflüße geltend. Wir dürfen nicht die von der Schrift selbst verbürgten Thatsachen übersehen, daß es Zeiten gegeben, wo in Jerusalem ein Tempel des Baal stand, wo hier von einem Altar der Astarte, wo von Sonnenrossen und von der Trauer um Tammuz die Rede war. (Schluß folgt.) Des Judentums Anteil an der Religion der Zukunst. in. Die gläubigen Juden waren daher für alle Zeiten durch eine unüberbrückbare Kluft von den Anschauungen des beginnenden Christentums getrennt, und die Förderer desselben dadurch zu der Formulierung der Dreieinigkeit gedrängt. Ohne diese wäre es überhaupt nicht möglich gewesen, den Träger der christlichen Religion als solchen zu erkennen oder zu bezeichnen. Als anerkannter Prophet wäre er hierzu ebenso wenig geeignet gewesen, wie etwa frühere anerkannte Propheten. (Jesaia, Johannes der Täufer u. A.) Der neue Glaube fand daher auch nur bei wenigen Juden Eingang, und diese hielten sich noch strikt an die jüdischen Gesetze, Lehren und Observanzen, nach der Mahnung ihres Meisters: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen bin das Gesetz oder die Propheten „aufznlösen. Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn „ich sage euch wahrlich: Bis daß Himmel und Erde zergehen, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Titel vom Gesetz, bis daß es alles „geschehe. Wer nur eins von diesen kleinsten Geboten auflöset, und lehret die „Leute also, der wird der Kleinste heißen im Himmelreich; wer es aber thut „und lehret, der wird groß heißen im Himmelreich." (Matth. 5. 17, 18, 19.) Bis dahin mußte ihnen Jesus ganz und gar Jude bleiben. Er wollte nur den Buchstabenglauben vor dem Glauben an die eigentliche innere Bedeutung der Gesetze und Lehren und das Hangen an Äußerlichkeiteu vor dem Streben nach innerlicher Vervollkommnung zurücktreten lassen, wie es von den Weisen und Propheten des jüdischen Volkes schon vorher in ähnlicher Weise versucht war. Später gelang es Paulus, dem eigentlichen Gründer des Christentums, den neuen Glauben außerhalb der Grenzen der jüdischen Religion unter den sogenannten Heiden in der ihnen zugänglichen Form zu verbreiten, und merkwürdigerweise ging das alte Testament, welches die mosaischen Gesetze und Lehren enthält, deren Aufrechterhaltung Jesus befohlen hatte, als heiliges Gvtteswort in