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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-11-01 · Heft 11 (1.11.1896) · p. Seite 246

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 11 (1.11.1896)
Date
1896-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 ein abstrakter Begriff, wie Naturkraft, ist natürlich dem Menschen von Haus -aus fremd, ihnl erscheint vielmehr die Natur überall beseelt. Der Seelenglaube führt so vielfach zum Naturmythus. Andererseits setzen sich die gesellschaftlichen Beziehungen des Lebenden auch nach seinem Tode fort. Und wie der „Herr" oder „Vater" seinen Besitz bei Lebzeiten gegen jeden Angriff verteidigte, so schützt er das Seinige und insbesondere die Seinigen gegen feindliche Geister oder Dämonen. An ihn wendet man sich also um Schutz und Beistand, daher die Ahnenverehrung. Und wo der Stammeshäuptling schon bei Lebzeiten göttliche Verehrung genossen, da rückt er bei seinem Tode womöglich noch eine Stufe höher hinauf. So erklärt sich am einfachsten der Heroenkult. Es ensteht nun die Frage: Lassen sich Spuren eines solchen Volksglaubens mit Sicherheit auch bei den alten Semiten, insbesondere in Kanaan Nachweisen, und welche Quellen geben uns hierüber Aufschluß? Da ist denn in erster Reihe die heilige Schrift zu nennen, sowohl in dem, was sie uns sagt, wie ganz besonders in dem, was sie uns erraten läßt. Von höchstem Werte sind hier nämlich jene Bestandteile der Sprache, welche sonst am gleichgültigsten behandelt werde», aber eben darum, wie Felsblöcke im Strome der Überlieferung, als die ältesten Zeugen des Volksgeistes anzusehen sind, — nämlich die Eigennamen. Nun, in jüngster Zeit hat man ja wieder vom politischen Standpunkte aus den Namen der Juden bezw. ihrem Namenswechsel besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Unsere Namen können also heute höchstens noch eine soziale Bedeutung haben, aber an ihren religiösen Nebensinn denkt doch jetzt gewiß niemand mehr. Wenn wir unsere Tochter Elsa oder Bertha nennen, und wenn unsere Altvordern Götz, Phöbus und Diana geheißen haben, so ist und war das eben einfache Modesache, jedenfalls haben doch solche Personennamen nichts mehr mit ihren ursprünglichen Trägern, mit heidnischen Gottheiten zu thun. Nun ähnlich verhält es sich auch wohl mit unseren Voreltern in Kanaan, wenn sie sich oft gerade nach den verpöntesten Heidengöttern nennen. Denn einmal verraten diese Personennamen ihren fremden Ursprung durch ihre unhebräische Form, in welcher sie sich aber andererseits auf phönikischen, aramäischen, arabischen oder babylonisch-assyrischen Denkmälern finden. Ja, wir haben Beispiele, daß solch' ein fremdländischer Name, der sich in einem der früheren Bücher der heiligen Schrift findet, später in den Büchern der Chronik einfach ins Hebräische übersetzt wird. Auch sonst sucht der Hebräer auf irgend eine Weise die alten Eigennamen zu bebraisiren, so besonders bei politischen oder religiösen Anlässen, ich erinnere an Eljäkim und Jojakim, an Hoschea und Jehoschna. Ferner haben die Hebräer bekanntlich bei ihrem Einzuge in Kanaan die Ortschaften religiös anstößigem Namen umgetauft, ja die Götzennamen selbst wurden verstümmelt oder durch Spottnamen ersetzt, z. B. Baal, der bekannte Götzeuname, durch Böschet, Schande.

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