Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 239 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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239 hältnismäßig kurzer Zeit neuaufgelegt wurde. — Das von Joseph Derenburg begonnene Werk einer vollständigen Saadia-Ausgabe wird jetzt von den Herren Härtung Derenbnrg, Mayer Lambert und Broide fortgesetzt. Soeben ist der dritte Band, der die arabische Übersetzung des Jesaias enthält, erschienen. — Das jüngst ausgegebene Heft der Zeitschrift des Deutsche» Palästina-Vereins (XIX, I) enthält eine größere Arbeit über die Entstehung und Geschichte des Toten Meeres. — Beiträge zur Geschichte der Inden in Deutschland von Dr. Leopold Löwenstein. I. Geschichte der Juden in der Kurpfalz. Frankfurt a. M, I. Kauffmann. 1895. Die geschichtliche Erkenntnis der Vergangenheit wird erst dann eine gründliche genannt zu werden verdienen, wenn das ganze Quellengebiet, das noch unberücksichtigt blieb, gesichtet und durchforscht sein wird. Wir sind daher Herrn Dr. Löwenstein für seine Studien zu großem Danke verpflichtet, denn in denselben wird zum ersten Male auch archivalisches Material behandelt, das sonst unbeachtet geblieben wäre. Es ist schwer, aus solchen versprengten Notizen ein Gesamtbild zu entwerfeil und des spröden Stoffes Meister zu werden. Nur der Ausdauer, der Hingabe und der ausgebreiteten Sachkenntnis des Herrn Dr. Löwenstein, dem auch die ganze einschlägige Litteratur gegenwärtig ist, ist es gelungen, uns ein anschauliches Geschichtsbild vorznführen, in welchem uns Menschen und Verhältnisse klar vor's Auge treten. Wir möchten bei dieser Gelegenheit hervorheben, daß es eine Ehrenpflicht ist, durch Anschaffung solcher Bücher die geistigen Bestrebungen fleißiger, verdienter Männer zu fördern, die auch große Opfer an Geld bringen müssen, um ihre Forschungen zu veröffeutlicheu. Hoffentlich wird Herr Dr. Löwenstein durch raschen Absatz dieses ersten Teiles uns bald durch weitere Veröffentlichungen erfreuen können. — Im Verlage von Emil Billig Nachf. in Berlin ist erschienen: Wissenschaftlicher Antisemitismus. Vortrag voil Gustav Levinstein, Groß-Lichterfelde. Eine sehr beachtenswerte Broschüre, die in jüdischen wie nichtjüdischen Kreisen Verbreitung verdient. Der Verfasser nennt mit Recht die Geschichte Israels die religiöse Entwickelungsgeschichte der Menschheit, die nicht mit Mose, nicht mit den Propheten und nicht mit dem Stifter der christlichen Religion endet. Hauptsächlich wendet sich Herr Levinstein gegen die Auslassungen Prof. Paulsens, der in seiner „Ethik" über die Juden Bemerkungen hinwirft, die eher in einem Antisemitenblatte am Platze wären denn in dem Werke eines Mannes, den sonst Klarheit des Denkens und vielseitiges Wissen auszeichnen. Herr Paulsen hat eben keine Idee von dem geistigen Leben der Juden, sonst würde er nicht so verkehrte Ansichten über sie in die Welt senden, unb gar so weit gehen, ihnen Gewissen abzusprechen. Die Widerlegung solcher Ansichten fällt nicht schwer, wenn die, welche sie verbreiten, der Belehrung zugänglich sind und zur Einsicht gelangen, daß der Antiseinitisinus der Feind jeder Ethik, jeder Religion und Menschenliebe ist und sein muß. Herr Paulsen schreibt, daß „wer von Religionswegen gehindert sei, mit anderen zu Tische zu sitzen oder in der Schule am Sonnabend die Feder