Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 236 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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236 und Jsaac Nathan schrieben im Jahre 3815 für Lord Byron's Gedichte, „Hebräische Melodien", eine Anzahl von jüdischen Melodien nieder; Franz, Bruch, Lewandowski, haben einzelne Sachen vortrefflich transkribiert. De Sola und Aguilar haben die Melodie der spanischen und portugiesischen Synagoge, Marksohn und Wolf die der Berliner und Breitenstein die der Frankfurter Gemeinde gesammelt. Das Werk von Parier umfaßt in gleicher Weise deutsche, polnische und portugiesische Melodien. Eine wertvolle Beigabe ist die Einleitung von Francis L. Cohen. — Heinrich Sontheim, der berühmte Tenorist, hat sich vom Vorbeterpult weg zum ersten Tenor an der großen Oper hinaufgeschwungen. Geboren in Jebenhausen bei Göppingen, sang die fromme Mutter dem einzigen Söhnlein, fromme heilige Gesänge als Wiegenlieder vor. und noch als Knabe war er „Zuhalter" (Diskantsänger) bei seinem Oheim und Schwager, Benzion Rosenheim, der als Vorbeter an den hohen Festtagen fungierte. In der Nähe von Jebenhausen ist der königl. Badeort Voll, wo alljährlich der Staatsrath und Geheimsekretär des Königs, v. Fellnagel, die Kur gebrauchte; dieser hörte am Versöhnungstage den 18jährigen Sontheim in der Synagoge singen und veranlaßte dessen Vater, ihn nach Stuttgart zil bringen, wo er sich in kurzer Zeit so weit ausbildete, daß er nach Karlsruhe als erster Tenor berufen wurde. Noch jetzt singt Sontheim die alten Weisen der Festgebete mit besonderer Freude. — Der Vorstand des Hilfsvereins für jüdische Studierende in Berlin fordert Studierende der dortigen königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste, welche Maler sind und sich in den höheren Semestern befinden, auf, sich um zwei je 600 Mark betragende Stipendien der Ernst Keichenhrim Stiftung zu bewerben. Die Stipendien sind für befähigte junge Künstler ohne Unterschied der Konfession bestimmt. Die Bewerbung ist bis zum 15. Oktober 1896 an den Herrn Geheimen Sanitätsrat vr. A. Abraham, Bendlerstraße 31, unter Beifügung folgender Schriftstücke einzureichen: Eines vom Bewerber verfaßten kurzen Lebenslaufes, eines amtlichen Ältestes über Fleiß und Befähigung sowie des Nachweises, daß der Bewerber eine der höheren Malklassen dortiger Hochschule besucht. — Zum Andenken des am 28. Juli 1883 auf Jschia verstorbenen Malers Adolf Ginsberg aus Berlin haben dessen Geschwister, Herr Philipp Ginsberg in Berlin und Frau v. Boschan geb. Ginsberg in Wien, eine Stiftung errichtet, welche den Namen „Adolf-Ginsberg- Stiftung" trägt. Der Zweck der Stiftung ist, jungen befähigten Malern deutscher Abkunft ohne Unterschied der Konfession, welche ihre akademische Studienzeit absolvirt und davon mindestens das letzte Semester die königliche akademische Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin besucht haben, durch Verleihung von Stipendien die Mittel für ihre weitere Ausbildung, entweder in Meister-Ateliers oder auf auswärtigen Akademien oder durch Studienreisen ins Ausland, zu gewähren. Die Stipendien sollen vorwiegend Malern zu Güte kommen, doch sollen in besonderen Ausnahinefälle» auch hervorragend begabte junge Bildhauer berücksichtigt werden