Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 229 (sequence 13)
- Language
- German
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229 und dafür die gleichmäßigen prozentualen Zuschläge zu der Einkommensteuer eingeführt werden. — Am 25. August fand in Königsberg die Eiinveihung der Synagoge statt. Nach einer AnsprachedesProfesfors Samuel hielt Herr Rabbiner Dr.Werner ausMünchen die Festrede. — Zu Landsburg a. W. wurde die Aufstellung einer Orgel in derSynagoge und die Einführung des Gebetbuches, welches in der Berliner Hauptsynagoge im Gebrauch ist, zum Beschluß erhoben. — Die Kommerzienrat Fränkel'sche Stiftung zur Beförderung der Künste und Handwerke unter den Juden in Kresla« hat vom Jahre 1856-1881 204 Lehrlinge und von 1881 bis einschließlich 1895 147 Lehrlinge, im Ganzen 351 Lehrlinge ausbilden lassen. — Der Privat-Dozent der Chemie Herr Dr. Edinger ist zum außerordentlichen Professor an der Universität Freiburg i. §. ernannt worden. — Die Teilnehmer des deutschen Anthropologenkvngresses in Speier besichtitgeu daselbst auch das aus dem Mittelalter stammende und etwa bis 1534 benutzte Judenbad. — Dem Israelitischen Frauenverein in Frankfurt a. ft. sind auf Grund des revidirten Status vom 31. März 1896 die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. — Bei der Preisverteilung an der Berliner Universität errangen in der medizinischen Facultät cand. med. Fritz Groß mann ans Glogau, in der philosophischen Facultät oand. pb.il. Jsaac Hein emann aus Frankfurt a. W. einen Preis. — Die Tochter des Weingroßkanfmanns Treplowitz in Gleiwih hat mit eigener Lebensgefahr drei Personen vom Tode des Ertrinkens gerettet. — Zu Gberhausen fanden sich am 9. August die Herren Gvldstein-Grevenbroich, Eckstein-Elsdorf und Spier-Bocholt zusammen, um außerhalb ihrer Gemeinden den Tag still festlich zu begehen, an welchem sie vor fünfzig Jahren als Seminarabiturienten der Marx-Haindorfschen Stiftung die Staatsprüfung bestanden. Ihre Anwesenheit gestaltete sich, ohne daß sie davon früher wußten, zu einer sie ehrenden und erhebenden Feier. — Das Nürnberger Schachturnier wurde unlängst zu Ende geführt. Den ersten Preis, bestehend in einem Betrage von 3000 Mark und einer vom Prinzregenten gespendeten Ehrengabe, gewann Lasker mit 13Va Points, den zweiten Preis, in der Höhe von 2000 Mark gewann Marocst mit I21k Points. — In Küsthrim verschied der Lehrer Herr Salomo» im 73. Lebebensjahre. Derselbe wirkte auch beinahe 50 Jahre in dieser Gemeinde, geachtet und geehrt von seinen Glaubensgenossen und von Andersgläubigen. — In Düsseldorf wurden auf dem alten israelitischen Friedhof 50 Grabsteine umgeworfen, einige in Stiicke zerschlagen. Die Roheit ist diesmal nicht den Antisemiten zuzuschreiben. — In einem Aufsatz der „Jüdischen Chronik" „Der zurückgelegte Weg" schreibt Herr Dr. Ziegler: Es ist aber doch seltsam: das Judentum so religiös veranlagt, das auf allen Gebieten hervorragende Männer besessen hat, kann im Laufe von 18 Jahrhunderten keinen Reformator finden, der Begeisterung und praktische Einsicht verbindend, erlösend, befreiend die Judenheit mit sich fortzureißen im Stande wäre, und heute muß eine langsame Abbröckelung das bewirken, was eigentlich das Genie eines Menschen, in einem Jahrzehnt er-