Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Ketteres aus orthodoXen Kreisen. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die orthodoxen Rabbinern ihreil Gläubigen vieles zumuten dürfen, was dem Verstände eines Freisinnigen nicht recht faßbar erscheint. Ein besonderes charakteristisches Beispiel der naiven Glaubensseligkeit nun, welche ein hyperorthodoxer Rabbiner bei seinen Anhängern meinte voraussetzen zu dürfen, bietet folgende verbürgte Thatsache. Wendet sich da vor einer Reihe von Jahren ein Herr an einen sehr bekannten hochorthodoxen süddeutschen Rabbiner, der jetzt schon tot ist, und fragt bei ihm an, ob der Fluß Sambation thatsächlich existiere. Darauf lief prompt eine Antwort ein, die uns im Originale vorliegt, und die es verdient, der Nachwelt überliefert zu werden! Der Brief lautet wörtlich: „Ein solcher Fluß eristirrt allerdings; er heißt Sambation und wird im Talmud Berachoth f. 11 und Sanhedrin 65 erwähnt; es ist derselbe Fluß, welcher im zweiten Buch der Könige c 17 v6 Gosan genannt wird. Jenseits desselben wohnen die zehn Stämme, die Salmanassar, der König von Assyrien vertrieben hat. Kein Mensch kann hinüber kommen, da der Fluß 60 Ellen breit ist und immerwährend Steine fortwälzt. Wer aber am Sabbat hinüberfährt, wird von den Jenseits wohnenden Israeliten getötet. Wo dieser Fluß sich befindet, wissen wir nicht mit Bestimmtheit; doch ist er wahrscheinlich an der Grenze zwischen Indien und Tybet zu suchen." Ein Kommentar zu dieser geistvollen Erklärung ist überflüssig. Zu bedauern bleibt nur, daß der betreffende Rabbiner seine epochemachende Entdeckung der weitesten Öffentlichkeit vorenthalten hat; sollst lväre die wissenschaftliche Streitfrage über den Verbleib des Zehnstämmereiches längst beantwortet. WorraLsschau. Der Ausschuß des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" hat sich in seiner letzten Sitzung konstituirt. Zum geschäftsführenden Vorsitzenden wurde Herr Prof. Dr. Martin Philipps»« und für das Amt des einen der beiden Mitvorsitzenden Herr Justizrat Iosephthal-Nürnberg gewühlt. Die Ernennung des anderen Mitvorsitzenden wurde vertagt Für den Fall der Behinderung des geschüftsführenden Vorsitzenden haben sich die Herren Syndikus Dr. Minden und Rechtsanwalt Dr. Silberstein zur Vertretung bereit erklärt. — Die Verwaltung der Synagogengemeinde in Köln hat ihr Gemeindestatut in einigen Punkten geändert. Von allgemeinem Jnterresse ist, daß die bisherige Veranlagung zur Kultussteuer, die bekanntlich durch Einschätzung seitens der Umlage-Kommission erfolgte abgeschasft