Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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230 reichen könnte. Warum haben wir keinen unter uns gefunden, der mit flammenden Worten dem Judentum« die Bahn zur Weltreligion gezeigt hätte? Warum hat in diesen vielen Jahrhunderten kein Jude erstehen dürfen, der uns mit sich fortgerissen hätte zur Erkenntnis: alles Nationale müsse in unserem Bekenntnisse fallen, dann erst können wir an Erfolge denken! Es durfte kein Mann in Israel erstehen. Ausharren und Verharren mußte bis auf unsere Tage unser Losungswort bleiben. „Ausharren und Verharren" darf nicht mehr das Losungswort unseres Judentums sein, sondern Ausharren und Fortschreiten! Ein Blick auf den zurückgelegten Weg wird uns zur Erkenntnis führen, daß unsere Zeit trotz der Zurücksetzung, die wir heute allenthalben zu erdulden haben, reif genug für diesen Gedanken ist. Das Judentum muß beginnen, die nationale Hülle mit Uinsicht abzulegen, um den Weg zur Weltreligion begeistert anzutreten. Die nationale Hülle muß vom Judentum fallen, damit es endlich in seiner wahren Größe sich zeige. — „Ausharren und Fortschreiten!" sei unser Losungswort. — Dem bekannten Publicisten Herrn L. Sercherg-FränKl ist seitens der Redaction des kronprinzlichen Werkes: „Oesterreich-Ungarn in Wort und Bild" die Einladung zugekommen, für den Band „Galizien" die historische und ethnographische Schilderung der polnischen Bevölkerung zu übernehmen. Herr Herzberg-Fränkt hat diesen ihn ehrenden Auftrag acceptirt und auch schon mit der Arbeit, die in einen historischen und volkstümlichen Abschnitt zerfallen wird, begonnen. — Die erste Nummer der hebräischen Monatsschrift „Iion" herausgegeben von A. H. Zupnick in Drohobycz, ist erschienen. Dieselbe schön ausgestattet, enthält interessante Beiträge von hervorragenden Hebraisten und Gelehrten, und kostet ganzjährig 6 Mark. — Zu Harbach (Unterfranken) starb der Lehrer Herr Eschwege. Er hat sich dreimal ausgezeichnet, indem er Personen vom Ertrinken rettete. Seine Tochter, Frau Rothschild in Frankfurt erhielt das eiserne Kreuz und einen Dankbrief von Kaiser Wilhelm I. für ihre großen Verdienste in der Pflege der Verwundeten im Kriege 1870—71. — Der in Sriinn lebende bekannte Dichter und Schriftsteller Dr. Heinrich Landesmann („Hieronimus Lorm") feierte am 9. August seinen fünfundsiebenzigsten Geburtstag und sein fünfrigjähriges Schriftsteller-Jubiläum. Dr. Landesmann, bekanntlich ein Schwager Berthold Auerbachs, zeigt eine bewundernswerte geistige Frische, mit der sein körperliches Befinden freilich nicht gleichen Schritt hält, denn Herr Landesmann ist seit Jahren fast völlig erblindet. — In Kojetein hat Herr Dr. Steinhardt sein Amt als Rabbiner angetreten. — Bei der constituirenden Versamullung der mährischen Ärztekammer in Hrünn wurden unter Anderen in den Vorstand gewählt die Herrn Med. Dr. Hanns Cantor und Dr. Jacob Ehrenstein. — In Hudiveis fand jüngst eine erhebende Feier statt. Die scheidenden jüdischen Abiturienten überreichten nämlich dem Rabbiner ihrem Lehrer, dem Herrn Dr. Adam Wunder, anläßlich seines 50jährigen Rabbinerjubiläums einen prachtvollen silbernen Lorbeerkranz. Abiturient Schwarz hielt eine die Ver-