Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1896)
- Date
- 1896-10-01
- Page
- Seite 223 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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223 Augen sah ich die Toten ihre Verstorbenen begraben. Und dann wußte ich auch bis zur Gewißheit, daß wenn auch nur. einige dieser Menschen sich wieder beleben könnten, wenn sie sie mit ihrer Hand berühren und deren Leben ihr niitzuteilen vermöchten, würde sie sich in ihrer Mitte wieder erheben und zlim Leben zurückkehren. Denn sie (die Religion) ist tot, weil sie (die Verstorbenen) tot sind. „Euere Religion ist tot, weil ihr tot seid." „Die Propheten der Hebräer hatten einen lebendigen Glauben, weil sie selbst in sittlicher Beziehung am Leben waren. Und nur dadurch können wir wieder zum lebendigen Glauben erwachen, wenn auch wir uns wieder sittlich beleben." Als ich dieses herrliche Gleichnis las, durchfuhr meinen Geiste die Szene, die im 37. Kapitel des Buches Ezekiel niedergeschrieben ist, in welchem der Prophet sagt, daß er von einem Sturme ausgehoben und nach einem Thale gebracht wurde, wo er totes und verdorrtes Gebein umhergestreut liegen sah, und die Stimme Gottes ihn anrief und sprach: „Menschensohn, können diese Gebeine aufleben?" Und er antwortete: „Herr, du allein weißt es." Und er sprach zu ihm: „Weissage über diese Gebeine und spreche zu ihnen." „Verdorrte Gebeine, höret das Wort des Ewigen; siehe, ich bringe in euch einen Geist, daß ihr auflebet; und ich gebe euch Sehnen itub lasse euch überwachsen mit Fleisch, und überziehe euch mit Haut, und gebe in euch einen Geist, und ihr lebet auf. Und ich gebe euch Sehnen, und lasse euch überwachsen mit Fleisch und überziehe euch mit Haut, uitb gebe in euch Geist, daß ihr lebet, und ihr sollt erkennen, daß ich der Ewige bin." Und ich weissagte so, wie mir geboten worden; und es ward laut, wie ich weissagte, und siehe, ein Geräusch und die Gebeine nahten einander, Knochen gu Knochen; Sehnen wanden sich darüber und Fleisch überwuchs dasselbe, und eine Haut zog sich darüber her, aber ein Geist war nicht darin. Und er sprach zu mir: Weissage dem Geiste; weissage Menschensohn, und sprich zu dem Geiste: So spricht Gott, der Herr: Aus den vier Winden komme, o Geist, und wehe diese Getöteten an, daß sie leben! Und ich weissagte, wie er mir geboten. Da fuhr der Geist in sie und sie lebten und standen auf ihren Füßen, ein überaus großes Heer. Und er sprach zu mir: Menschensohn, diese Gebeine sind das gesamte Haus Israel. Siehe, sie sprechen: Verdorrt sind unsere Gebeine und geschwunden ist unsere Hoffnung; wir sind verloren! Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Siehe, ich öffne euere Gräber und lasse euch steigen aus euren Gräbern, mein Volk, und trage euch auf den Boden Israels; und ihr sollt erkennen, daß ich der Ewige bin, wenn ich euere Gräber öffne und steigen lasse ans eueren Gräbern, niein Volk. Und ich gebe meinen Geist in euch, daß ihr lebet. Ich fordere Herrn Prof. Adler auf, in seiner rührigen Neuerung der prophetischen Vision nicht nur das halbe, sondern das ganze Bild dahin zu stellen.