Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1896)
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 210 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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w — 210 — Berlin, den 26. Juni 1896. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. — Der siebente Gemeindetag des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, der am 21. Juni in Berlin seine Sitzungen eröffnet«, beschäftigte sich hauptsächlich mit der wichtigen Angelegenheit des Religionsunterrichtes. Hoffentlich wird es seinen Bemühungen gelingen für die Einführung desselben in die öffentlichen Lehranstalten erfolgreich zu wirken. — In Gießen ist Herr Landrabbiner Dr. Levi nach 67jähriger, verdienstvoller Thätigkeit in den Ruhestand getreten. — In Fritzlar fand die Grundsteinlegung der neuen Synagoge statt. Ein Schulhaus steht bereits im Rohbau fertig. — Herr Solomon Levy in Frankfurt a. M. teilt uns mit: Aus dem Werke eines im Auftrag der französischen Regierung i. I. 1780 Deutsch, land bereisenden gelehrten Franzosen entnehmen wir Folgendes über unseren stammverwandten Philosophen. Unter den vieleil Berliner Gelehrten von Verdienst, gut ne sont rien, pas meme academiciens,*) war mir die Bekanntschaft mit dem Juden Mendelssohn vorzüglich interessant. Er ist einer der merkwürdigsten Schriftsteller Deutschlands. Seine Werke haben eine Eleganz und seine Sprache ist so reich, rund und bestimmt, daß er mit der Zeit klassisch werden muß. Er ist Direktor einer ziemlich beträchtlichen Handlung und übt seine Philosophie aus, so viel er kann. Jetzt beschäftigt er sich in zeineu Nebenstunden mit Beiträgen zur Aufklärung seiner zerstreuten Glaubensgenossen. Er hat auch in seinem Umgang die Eleganz, die ihn als Schriftsteller auszeichuet. und seine unvorteilhaft körperliche Bildung überwiegend verbessert. — Der Castellan der Reuen Synagoge in Kerlin, Herr A. Littauer, beging jüngst das Fest seiner 30jährigen Amtsthätigkeit und seines 80. Geburtstages. Als 1866 die Neue Synagoge eingeweiht wurde, trat der Jubilar sein jetziges Amt an, das er noch in voller Rüstigkeit versieht. Der beiden Male, an denen Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta die Synagoge besuchten (am 25. April 1869 und 30. Dezember 1879), gedenkt der Jubilar noch mit allen Einzelheiten, auch hat er eine Liste aller der hohen und bedemenden Persönlichkeiten angelegt, denen er während seiner Amtsthätigkeit den schönen Bau in der Oranienburgerstraße zu zeigen Gelegenheit hatte. — Herrn Herm. Krinach ist aus Anlaß seines fünfundzwanzigjährigen Jubiläums als Beigeordneter der Stadt Mainz der Charakter als Geheimer Kommerzienrat verliehen worden. — Man berichtet uns: Der Metzgerbursche Lion aus Wersen hat in Frankfurt a. M. fünf Menschen, die beim Ausschachten eines Kanals verunglückten, durch mutiges Eingreifen das Leben gerettet. — In Frankfurt a. W. starb nach langem Leiden im Alter von 65 Jahren Herr Albert Gansl. Mit ihm ist ein Finanzmann von internationaler Bedeutung aus dem Leben geschieden. — Die hebräische Sprache hat an der Großherzogin von Haben eine hochherzige Verteidigerin gefunden. Eine Deputation eines jüdischen Vereins unter Führung *) Bekanntlich ließ ihn Friedrich der Große nie zur Akademie zu.