Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 16 (1896)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1896)
- Date
- 1896-09-01
- Page
- Seite 211 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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211 des Herrn Dr. Lewin, nahm Audienz beim Großherzog von Baden, um ihn zu bitten, er möge gestatten, daß ein anläßlich seines 70jährigen Geburtstages in's Leben gerufene Asyl für Schwache und Greise seinen Namen trage. Nach dem huldvollen Empfange wurde die Deputation zur Großherzogin beschieden. War schon der Empfang bei ihrem erlauchten Gemahl ein überaus huldvoller, so war die Aufnahme bei der Großherzogin eine so liebenswürdige, daß man fast vergaß, welch' hochgestellte Frau sich hier uin speziell-jüdische Interessen so sorgsam beinühte. Die hohe Frau ließ, als sie hörte, daß Herr Dr. Lewin in seiner Ansprache an den Großherzog einen Vers ans Jesaias citirt hatte, den er in deutscher Übersetzung vortrug, sich den Vers in der Ursprache wiederholen, und hob lebhaft hervor, wie schön die hebräische Sprache sei; sie sprach den Wunsch ans, daß in den israelitischen. Religionsschnlen doch mehr Zeit auf das Studium dieser herrlichen Sprache verwendet werden möge, denn es sei doch eigentlich Pflicht der Israeliten, wenigstens so viel Hebräisch in den Schulen zu lernen, daß sie ihre Gebete und die herrlichen Psalmen in der Ursprache zu verstehen in der Lage wären. — In Fürth in Bayern starb im 85. Lebensjahre der Distriktsrabbiner von Floß, Herr I. Wittelshöfer. Derselbe war Mitglied der Augsburger Synode. — Am 8. Juni starb der ehemalige Schuldirigent Dr. Wolf Wattersdorf, Mitbegründer der Humanitas-Loge in Gleiwitz, im 66. Lebensjahre. — In Kerlin starb Herr Sanitätsrat Dr. Moritz Kirstein, ein um die jüdische Gemeinde und um gemeinnützige Anstalten sehr verdienter Mann. Er war auch Kurator der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. — Am 16. Juni starb Herr Sanitätsrat Dr. Gllendorf aus Berlin in Karlsbad. Wissenschaftliches Ansehen verschaffte er sich durch seine medizinalstatistischen und hygienischen Arbeiten. Im vorigen Jahre rief Ollendorf die „Zeitschrift für soziale Medizin" ins. Leben, die wegen ihres gediegenen Inhalts und ihrer vornehmen Haltung sich schnell viele Freunde in der Ärztewelt erwarb. — Nach der Zusammenstellung des Königlichen Statistischen Bureaus betrug die Zahl der im preußischen Staate während des Jahres 1894 stattgefundenen Eheschließungen 250960, darunter befanden sich 2383 jüdische Paare. — In der „Dtsch. Ztg." vom 5. Juli empfiehlt Herr Rudolf Vollrath seinen „Gasthof zum Deutschen Haus" in Trautheim bei Nieder- Namstadt im Odenwald mit folgenden Worten: „Die Deutschen sind daselbst unter sich, denn Inden finden keine Aufnahme." Wir glauben Trautheim war bis jetzt ein von Juden nicht umstürmter Ort und braucht Herr Vollrath eine Überflutung seines weltvergessenen Nestes von Seiten der Juden nicht zu besorgen. — In Tyrnan wurde Herr Mar Stein, in Uesjprin Herr Dr. Arnold Klein und in Thuroc; S;t. Marion Herr Dr. Moritz Schwär; als Rabbiner gewählt. — Man schreibt uns: In Ueupest wurde Herr Dr. Ludwig Ueuetianer am 21. Juli in sein Amt als Oberrabbiner unter Beteiligung der Spitzen der Behörden eingeführt. Auch die Seelsorger der andern Confessionen nahmen an der Feier teil. — An der