Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-09-01 · Heft 9 (1.9.1896) · p. Seite 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 9 (1.9.1896)
Date
1896-09-01
Page
Seite 208 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969823-2969833--4871-2974150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

208 haben wohl jegliche Mühe vereitelt. Und doch habe ich es erfahren, was der Rabbi Wichtiges mitteilte. Nachdem er seinem Nebenmann viel angewünscht hatte, wünschte er auch für seine Chewrah (Gesellschaft) sofort einen Eimer Wein, was auch gewährt wurde. Diese Nachricht schien elektrisierend auf die Chewrah zu wirke»; sie krochen über die Tische und begannen unter lautem „Gesänge" einen regelrechten Rundtanz aufzuführen, wozu der Rabbi in die Hände klatschte. Herr G., der mit mir war, fragte mich, warum der Rabbi nicht laut spreche, daß ihn jedermann verstehen könne. Meine Antwort, daß dann viel weniger Neugierige sich um ihn drängen würden, brachte mir einen kräftigen Rückstoß ein." Derselbe betrübende Aberglaube, der diese Verehrung der Wunderrabbiuer zeitigt, tritt nun auch in der gottesdienstlichen Äußerung des religiösen Lebens zu Tage. „An den Neujahrstagen," schreibt unser Gewährsmann, „suchte ich verschiedene Synagogen auf, um an diesen Tagen, an welchen jeder Jude, nm des ewigen Gerichtes willen, das seiner harrt, fromm >vird, zu einigen von Dem zu reden, der zwar nicht zum Richten, aber doch zum Gericht gekoinmen ist in diese Welt. Ein schauerlicher Ernst geht durch diese Gebetsübungen am Neujahrsfeste, besonders zur Zeit des 8ei>npImi'-(Widderhorn)-Blasens. Nach der Tradition sollen 30 verschiedene Töne, die alle verschiedene Namen tragen, an diesem Tage erschallen. Für jeden dieser Töne ist ein besonderer Engel gesetzt, der ihn vor den Thron Gottes zu bringen hat. Es ist darum ein böses Omen, wenn es dem Bläser nicht gelingen will, die Töne rein durch das Horn zu jagen, weil dann die in ihnen befindlichen Engel nicht frei werden. Ich befand mich zu dieser Zeit in der Synagoge des Zaddik Neb Moischele. Er selbst war der Baal makre, d. h. derjenige, der die Töne dem Bläser vorsagt. Und als es diesem nicht gelingen wollte, die Töne rein herauszubringen, entstand ein fürchterliches Weinen, und es ging dann doch, und das Weinen verkehrte sich in Freude." Wonalsschau. Die aus Anlaß des sechsten ordentlichen Gemeindetages in Hagen am 14. Juni gehaltenen Vorträge von Herrn Rabb. Dr. Vogelstein und Dr. Felir Eoblen; sind im Drucke erschienen. Elfterer verbreitet sich über das Thema: Schule und Haus in ihrer Wechselbeziehung zu einander und hebt hervor, daß wir für uns das Recht in Anspruch nehmen, dasjenige von dem wir erkannt haben, daß es ein Hindernis für das religiöse Leben oder gar eine Gefahr für die Zukunft ist, auszuscheiden und durch Anderes zu ersetzen, ohne uns hierbei durch die Angriffe unserer Gegner im eigenen Lager beirren oder durch die Rücksicht auf unsere Widersacher im Lager der Andersgläubigen bestimmen zu lassen Bemerkt wird, daß die Lehrer es vermeiden mögen, durch nachdrückliche Betonung und Hervor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.