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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1896-09-01 · Heft 9 (1.9.1896) · p. Seite 205

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
16 (1896)
Issue
Heft 9 (1.9.1896)
Date
1896-09-01
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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205 der Gesellschaft ihrer Zeit erzwungen. Aber die primitive Lehre wird von Jahrhundert zu Jahrhundert von ungeschickten Händen nmgemodelt und verkrüppelt. Dumme Menschen glauben, der Propheten Worte nach ihrem Sinne deuteln zu können, und zerren so lange an dem Urwerk herum, bis es zu ihrem Machwerk wird. Sie nehmen die Edelsteine heraus, und ersetzen sie durch Glasperlen, die bunter flimmern; und im Namen der Pietät laden sie den unglücklichen Gläubigen ihre Farcen als Offenbarungen auf. So wie der Ruin des Judentums durch Formelwesen und Doktrinen verschuldet worden ist, so steuert auch der Islam dem Unglück zu, das Formelwesen und Doktrinen erzeugen müsse». So wie die Rabbiner sich im Laufe der Jahrhunderte von der Bibel des Moses entfernten, und in Mischna, Talmud, Sohar, Agada verrannten, so haben unsere Scheichs und Jsmams durch Tausende von Traditionen, durch Millionen von Wortklaubereien den Koran verunstaltet, seine heilige Moral durch bornirte Gedanken verkleidet und verdeckt. Damit ist kein Fortschritt zu erzielen, damit führtman kein Volk zum Glück, erreicht man keine sozialen Reformen. Das Gesetz des Moses, die Religion in ihrer Reinheit, hat die Israeliten aus der Sklaverei befreit, und ihnen ein Reich geschenkt. Der Talmud, die Doktrinen, die Spitzfindigkeiten der Rabbiner haben die Juden wieder zu Sklaven gemacht — zu Sklaven der ganzen Welt. Der Koran hat aus armen Beduinen Arabiens die Herren und Könige eines großen Teiles der Erde geniacht; aber die Traditionen, die verknöcherten Doktrinen der Scheichs haben den Islam wieder in den Zustand geführt, in dem er sich heute noch befindet! Die wahre Religion, in ihrer Einfachheit, ist ein klares Licht, und bringt hohes Glück, wenn dies Licht rein bewahrt wird. O, wäre es möglich, einen ewigen Wächter für die Religion zu schaffen, der da achte auf ihr Licht, und ihre Reinheit, damit die Quelle dieses Lichtes nicht verdorben würde von Ignoranten und Wichtigthuern! So lange die Mohamedaner sich nicht loslösen können von den Traditionen, ehe sie nicht zurückkehren zur reinen Lehre des Korans, — wird es keine Reform im Islam geben. Nur der Koran vermag auf diesen Weg zu führen; denn er ist klar und rein, und für alle Zeiten empfänglich, und allen Zeiten angepaßt! Die Traditionen aber entstammen nur den Ideen kurzlebiger Gedankenkrämer. Ich habe viel gearbeitet in meinem Leben, um die Muhamedaner dem Zustande zu entreißen, in dem sie sich befinden, um sie vor dem Unglück zu schützen, vor den« Untergang zu bewahren, der sie bedroht! Ein Volk, das existieren will, muß Verstandeskraft besitzen, eine nationale Seele, Überzeugungen, festes Bewußtsein seiner Bildungs- und Fortschrittsfähigkeit. Aber leider kann die Erziehung der Muhamedaner unserer Tage diese kostbaren Resultate nicht geben — So lange wir nicht eine Änderung einführen, so lange wir nicht wahre Bildung erstreben, Charakterbildung, Geistesbildung, solange dürfen wir nicht hoffen, den Islam dem Untergang zu entreißen, der ihm droht!" N. H.

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